007: First Light im Test – IO Interactive verleiht dem James-Bond-Game echte Hitman-DNA!

„Mein Name ist Bond, James Bond.“ Einer der wohl ikonischsten Sätze der Popkultur überhaupt – und endlich gibt es nach Jahren wieder ein verdammt gutes Spiel dazu. Das Beste daran: Es stammt von einem Entwicklerstudio, das uns sonst vor allem mit einer perfekten Killersimulation beglückt.

Die Rede ist natürlich von IO Interactive. Die Entwickler von Hitman und vor allem von Hitman: World of Assassination – dem wohl umfangreichsten und schönsten Teil der Reihe – haben sich an ein neues James-Bond-Spiel gewagt. Allerdings werfen sie uns nicht klassisch mit einem gestandenen Agenten ins Geschehen. Stattdessen begleiten wir einen jungen Bond, der erst noch zum charmanten Gentleman-Spion reifen muss. Na gut, charmant ist er eigentlich jetzt schon – aber in der knallharten Welt der Spionage muss er definitiv erst einmal ankommen.

Story: Vom Überlebenskampf zum Doppel-Null-Status

Das Ganze wirft uns direkt extrem unmittelbar ins Geschehen: Wir befinden uns in einem Helikopter voller SAS-Soldaten – und unser junger Bond gehört nicht einmal dazu. Er agiert quasi „nur“ als Flugbegleiter. Es kommt, wie es kommen muss: Der Heli wird abgeschossen und – wer hätte es gedacht? – Bond überlebt als Einziger. Gestrandet auf Island müssen wir irgendwie entkommen und retten dabei ganz nebenbei und gegen jede Chance MI6-Personal. Beim Schreiben fällt mir allerdings auf: Es wird im gesamten Spiel nie aufgeklärt, warum oder weshalb dieses MI6-Personal überhaupt dort war. Vielleicht Stoff für einen Nachfolger?

Auf jeden Fall qualifiziert sich Bond mit dieser Island-Einlage direkt für das legendäre 00-Programm, auch wenn er darin das absolute Schlusslicht bildet. An dieser Stelle betritt das Spiel die Bildfläche mit einer wirklich hervorragend inszenierten Trainingsmontage, die gleichzeitig als Tutorial fungiert. Das alles gipfelt schließlich in dem Auftrag, den ich bereits letztes Jahr in Köln auf der Gamescom bewundern durfte – und genau ab diesem Punkt geht das Spiel erst so richtig los.

Was soll man sagen? Die Story liefert typischen Bond-Stoff: abgedrehte Bösewichte, eine Prise moderner Zeitgeist und ein absolut übermächtiger Agent, der für jedes Problem eine Lösung parat hat – auch wenn er sich anfangs manchmal noch etwas dämlich anstellt. Für mich war das Ganze eine klassische, schnörkellose Bond-Story. Und das ist verdammt genial, denn genau so sollte es sein! Als absolutes i-Tüpfelchen kommen dann noch die Levels dazu, die einfach nicht „bondiger“ hätten designt sein können.

Gameplay: Hitman-DNA trifft auf knackige Agenten-Action

007: First Light ist das wohl optimale Bond-Spiel – und das liegt nicht nur an den großartigen Levels, sondern ganz besonders am Gameplay. Dem Titel tut es spürbar gut, dass er aus der Feder von IO Interactive stammt. Man merkt an jeder Ecke, dass hier jede Menge der aktuellen Hitman-DNA drinsteckt, und das ist einfach fantastisch. Auch wenn First Light deutlich actionreicher und linearer ausfällt als die Abenteuer des kahlen Auftragsmörders: In den offeneren Abschnitten müsst ihr genau wie in Hitman vorgehen und clevere Wege suchen, um euer Ziel zu erreichen. Das könnt ihr tun, indem ihr den Hinweisen folgt, die euch das Spiel liefert und daraus eigene Quests strickt – oder ihr scheißt einfach drauf und zieht auf eigene Faust los. Natürlich ist das spielerische Korsett hier um einiges enger geschnallt, da der Titel stark storygetrieben ist, aber das stört überhaupt nicht. Es macht einfach verdammt großen Spaß, den kleinen Rätseleinlagen zu folgen, die dann und wann in einer flotten Sprungpassage im Stile eines Uncharted oder in einer knackigen Schießerei münden.

Bond springt über einen Baumstamm in 007: First Light

Wobei die Action einen spannenden Haken hat: Die Entwickler haben die echte Bedeutung der „Lizenz zum Töten“ ins Spieldesign integriert. Unser junger Bond darf keine tödliche Gewalt anwenden, es sei denn, es wird aktiv auf ihn geschossen oder es besteht eine klare Absicht, ihn zu töten. Das bedeutet im Umkehrschluss zwar nicht, dass ihr permanent die freie Wahl habt, aber es ist eine verdammt spannende mechanische Kleinigkeit.

Apropos Schießereien: Die haben es wirklich in sich! James ist kein schwer bewaffneter Soldat und hat entsprechend wenig Platz für Munition im Designeranzug. Das bedeutet, dass ihr maximal ein bis zwei Ersatzmagazine mitführen könnt. Ihr seid also ständig gezwungen, die Waffen eurer Gegner aufzulesen oder extrem sparsam mit den eigenen Kugeln umzugehen. Gepaart mit der recht niedrigen Lebensenergie von James sorgt das für eine richtig schöne Herausforderung und verhindert, dass das Spiel zu einer reinen, anspruchslosen Powerfantasie verkommt.

Mir persönlich hat das Gameplay unheimlich viel Spaß gemacht. Klar, hier und da hätte die Welt einen Tick offener sein können, aber ganz ehrlich: Das ist Meckern auf extrem hohem Niveau.

Technik: PS5-Pro-Pracht und audiovisuelle Perfektion

Was soll ich sagen? Technisch brennt hier absolut nichts an. Es gab anfangs zwar ein paar kleine Probleme, aber die wurden von den Entwicklern erfreulich schnell via Patch behoben. Und sonst? Ich habe den Titel auf der PlayStation 5 Pro gespielt, und was soll ich sagen: Das Spiel lief butterweich und sah dabei einfach perfekt aus.

Screenshot aus 007: First Light in Vietnam

Gerade das Vietnam-Level oder die eisigen Kulissen in Island waren verdammt hübsch anzusehen und extrem detailliert ausgearbeitet. Auch die schiere Menge an NPCs, die IO Interactive in manchen Arealen auf den Bildschirm zaubert, ist wirklich krass und absolut beeindruckend – da kommt echtes Mittendrin-Gefühl auf. Gepaart mit einem fantastischen, Bond-typischen Soundtrack ist 007: First Light audiovisuell und technisch schlichtweg annähernd perfekt.

Fazit: Die Geburtsstunde eines Meisterspiels

Mit 007: First Light beweist IO Interactive eindrucksvoll, dass sie nicht nur die Hitman-Reihe beherrschen, sondern das perfekte Studio sind, um James Bond neues Leben einzuhauchen. Die Entscheidung, uns die Anfänge eines jungen, noch unfertigen Agenten spielen zu lassen, geht voll auf. Die Story versprüht klassischen Bond-Charme mit genau der richtigen Dosis an modernem Zeitgeist und abgedrehten Antagonisten.

Spielerisch zündet der Titel auf ganzer Linie: Die unverkennbare Hitman-DNA in den offenen Arealen harmoniert prächtig mit den actionreicheren, linearen Passagen. Besonders der knackige Härtegrad durch das strikte Munitionslimit und die clevere Interpretation der „Lizenz zum Töten“ machen jede Schießerei zu einem taktischen Highlight. Technisch liefert das Spiel – gerade auf der PS5 Pro – ein absolut flüssiges, detailverliebtes und von einem grandiosen Soundtrack untermaltes Brett ab. Wer auch nur im Ansatz etwas mit Agenten-Thrillern anfangen kann, kommt an diesem Meisterwerk nicht vorbei.

Cover
Release:
27.05.2026

👍 Pro

  • Hervorragende Mischung aus Hitman-DNA und linearer Action
  • Spannende Mechanik zur 'Lizenz zum Töten' erzwingt taktisches Vorgehen
  • Knackiger Schwierigkeitsgrad durch Munitionsbegrenzung
  • Technisch beeindruckende Grafik und Performance
  • Klassische, packende Bond-Story mit modernem Einschlag
  • Fantastischer, atmosphärischer Soundtrack

👎 Contra

  • Lückenhafte Story-Logik bezüglich der Hintergründe der Missionen
  • Welt könnte an manchen Stellen etwas offener gestaltet sein
  • Gelegentliche kleine technische Probleme zum Launch
Wertung
9.0
★★★★☆
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