Es gibt diese Titel, die hätte ich im Alter zwischen 15 und 20 Jahren vermutlich mit der Kneifzange nicht angefasst. Dazu zählten für mich lange Zeit auch fast alle Werke von Housemarque. Doch mittlerweile sieht das ganz anders aus: Als ich das erste Mal Resogun gespielt habe, war ich regelrecht schockverliebt.
Trotzdem konnte ich mit der Ankündigung von Returnal anfangs wieder wenig anfangen. Ein Roguelike-Bullet-Hell-Mix in 3D? Nee, das kann doch auf Dauer gar nicht funktionieren. Und dann? Tja, dann habe ich es gespielt und es war schlichtweg göttlich. Ich liebte das Movement, das wuchtige Waffengefühl, die brillante Einbindung des DualSense-Controllers und vor allem die packende Art und Weise, wie die Story erzählt wurde. Ein Titel in diesem doch recht nischigen Genre in derartiger AAA-Qualität war und ist eine absolute Seltenheit.

Und jetzt? Jetzt servieren uns Housemarque und Sony direkt den nächsten massiven Banger. Saros nimmt sich alles, was Returnal so meisterhaft gemacht hat, und dreht die Formel einfach noch mal um satte 1000 Prozent auf. Gekrönt wird das blitzschnelle Gameplay von einem genialen Artstyle und einem grandios aufspielenden Rahul Kohli, der in der Hauptrolle als Arjun absolut abliefert.
Wie und warum es Saros geschafft hat, sich aus dem Stand zum perfekten Anwärter auf meinen persönlichen „Game of the Year“-Titel aufzuschwingen, erfahrt ihr in dieser Review. Aber beginnen wir erst einmal mit der Story…
Story: Gefangen in der Zeitschleife von Soltari
Eigentlich weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Am Anfang? Am Ende? Oder vielleicht einfach irgendwo mittendrin, wo es gerade passt? Saros ist ein Roguelike. Prinzipiell spielt ihr es also immer und immer wieder von vorn. Wie passt in so ein Gerüst überhaupt eine kohärente Story rein – und vor allem eine, die derart fantastisch geschrieben ist?
Ihr übernehmt die Rolle von Arjun, der auf der Suche nach seiner Frau und einer kompletten verschollenen Kolonie ist. Der Schauplatz: ein Planet, der gelinde gesagt … seltsam ist. Überall ragen riesige, uralte Gebäude in den Himmel, durchstreift von Monstern und Maschinen, die nur ein einziges Ziel kennen: euch zu töten. Warum? Tja, genau das ist die große Frage. Und mit dieser Frage wären wir im Grunde auch schon beim Ende von Saros. Die Handlung ist stellenweise so wunderbar verworren, wie sie nur sein kann. Passiert das alles wirklich, oder ist es vielleicht nur ein Hirngespinst von Arjun?

Die Erzählung öffnet jedenfalls gleich mehrere Interpretationsebenen und überlässt es oft euch, die Puzzleteile im Kopf selbst zusammenzusetzen. Nur ein einziger Satz scheint in diesem Chaos eine absolute Konstante zu sein: „Die Sonne ist ewig!“
Hier verbirgt sich einer der coolsten und spannendsten Twists des Spiels: Arjun ist sich seiner Situation voll bewusst. Er weiß, dass er nach jedem Tod zurückkehrt. Und er sieht mit an, wie sich alle um ihn herum verändern – wie sie immer weiter von „dem Gelben“ korrumpiert werden. Dabei ist besonders der Hintergrund extrem interessant: Arjun und all die anderen stammen eigentlich von der profitgetriebenen, totalitären Mega-Corporation namens Soltari, die auf dem Planeten lediglich ein bestimmtes Mineral abbauen will. Und ja, in Soltari steckt das Wörtchen „Sol“ – genau wie in unserer Sonne. Zufall? Wohl kaum. Ob ich mit meiner Interpretation der Story am Ende zu 100 % richtig liege? Keine Ahnung … oder vielleicht doch?
Gameplay: Rasanter Bullet-Hell-Tanz mit Schildmechanik
Ganz ehrlich? Saros spielt sich im Kern wie Returnal, nur eben noch eine ganze Ecke schneller. Ihr weicht aus, springt, ballert aus allen Rohren – und sterbt. Das wiederholt ihr so lange, bis ihr endlich einen Run erwischt, bei dem alles passt, oder bis ihr genügend Punkte in euren Skilltree investiert habt. Richtig gelesen: Es gibt einen permanenten Skilltree! Dieser hilft euch dabei, mit mehr Lebensenergie zu starten, effektiver Ressourcen zu sammeln oder eure maximale Schildenergie zu erhöhen.
Moment, ein Schild? In einem Roguelike? Macht das nicht alles viel zu einfach? Nicht ganz. Das Schildsystem balanciert den massiven Schwierigkeitsgrad aus, denn Saros ist nicht nur irrsinnig schnell, sondern auch visuell extrem bildgewaltig. Eine Mischung, die in einem Bullet-Hell-Roguelike schnell in totalem Chaos enden könnte. Aber Saros managt das annähernd perfekt.

Es gibt blaue Attacken, die ihr blocken könnt, um damit eure eigene Energiewaffe aufzuladen. Dann gibt es gelbe Angriffe, die euch vor allem während der gefährlichen Sonnenfinsternis-Phasen begegnen. Diese lassen sich zwar ebenfalls blocken, versiegeln dann aber temporär einen Teil eurer maximalen Lebensenergie, die ihr erst wieder durch den cleveren Einsatz eigener Energieattacken freikämpfen müsst. Und zu guter Letzt warten da noch die roten Attacken. Diesen könnt ihr weder ausweichen noch sie klassisch blocken – erst später im Spielverlauf lernt ihr, sie punktgenau zu parieren.
Fortschritt, Waffenwahl und Modifikatoren
Durch das mysteriöse Mineral, das ihr auf euren Runs einsammelt, steigt ihr nicht nur kurzfristig im Level auf. Am Ende eines jeden Durchgangs (egal ob Sieg oder Tod) nutzt ihr die Ausbeute, um eure Rüstung permanent aufzuwerten und euer Grundlevel für den nächsten Start zu erhöhen.
Essenziell für das Überleben sind natürlich auch die Waffen. Davon gibt es unzählige, in den verschiedensten Varianten – und oft entscheidet genau dieser Loot über Sieg oder Niederlage in einem Bosskampf. Wenn ihr einem Boss gegenübersteht, der bevorzugt auf Distanz bleibt, ihr aber blöderweise nur eine Schrotflinte im Anschlag habt, wird es verdammt eng. Dann landet ihr schneller wieder in der „Passage“ (dem Hub von Saros), als euch lieb ist. Aber macht euch nichts draus: Sterben gehört zum Konzept, und nur durch diese stetigen Neustarts bekommt ihr auch wirklich alle Facetten der großartigen Story mit.

Bevor ich es vergesse: Ihr besitzt stets ein kleines Bonusleben, das euch mit reduzierter Lebensenergie eine rettende zweite Chance gewährt. Zudem könnt ihr das Spiel durch Modifikatoren an euren Spielstil anpassen. Der clevere Kniff dabei: Ihr müsst diese Einstellungen vor jedem Run ausbalancieren, indem ihr positive und negative Effekte gegeneinander aufwiegt. Es gibt zwar eine Barrierefreiheits-Option, die euch erlaubt, so viele positive Modifikatoren wie gewünscht zu aktivieren, aber das ist nicht der eigentliche, vom Entwickler erdachte Weg für Saros.
Perfektion im Loop
Abschließend kann ich nur festhalten: Saros funktioniert mechanisch einfach fantastisch. Das Gameplay und der gesamte Roguelike-Loop sind nahezu perfekt designt. Selbst ein krachendes Scheitern fühlt sich hier immer wie ein belohnendes Weiterkommen an. Das ist verdammt genial!
Technik: Makellose Performance und DualSense-Magie
Ganz ehrlich, wir könnten diesen Teil der Review eigentlich extrem kurzfassen, denn die technische Umsetzung ist schlichtweg grandios. Saros sieht unverschämt gut aus. Die Performance ist zu 90 % absolut makellos – bis auf ein paar klitzekleine Laderuckler beim Betreten neuer Areale hält das Spiel seine Framerate bombenfest. Und das selbst dann, wenn der Bildschirm mit gefühlt einer Million Projektilen, zuckenden Tentakeln und feindlichen Horden geflutet wird.
Kommen wir aber zum absoluten Highlight: der Steuerung! Housemarque hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet und die Features des DualSense-Controllers geradezu perfekt ins Gameplay verwoben. Das haptische Feedback ist phänomenal: Ihr spürt regelrecht an der Vibration in euren Händen, aus welcher Richtung die Gefahr naht.
Besonders genial ist erneut der Einsatz der adaptiven Trigger. Den linken Trigger nutzt ihr gleichermaßen für euer Sekundärfeuer und eure Energiewaffe – je nachdem, ob ihr ihn nur bis zu einem spürbaren Widerstand oder komplett durchdrückt. Wenn man sich erst einmal an diese Mechanik gewöhnt hat, geht das dermaßen flüssig und intuitiv von der Hand, dass man sich fragt, warum nicht viel mehr Entwickler dieses Feature so clever nutzen.
Aber genug der Lobesgesänge, ziehen wir ein finales Resümee!
Fazit: Ein göttliches Roguelike-Meisterwerk
Es gibt Spiele, die einen überraschen, und es gibt Spiele, die einen schlichtweg umhauen. Saros gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Housemarque hat es tatsächlich geschafft, das geniale Fundament von Returnal zu nehmen, es an genau den richtigen Stellen aufzubohren und die Formel damit zur absoluten Perfektion zu treiben.
Die faszinierende, vielschichtige Story rund um Arjun und die Soltari-Corporation hält einen permanent bei der Stange und motiviert selbst nach dem x-ten Bildschirmtod zum Weitermachen. Das Gameplay ist ein blitzschneller, hochpräziser Bullet-Hell-Tanz, der dank der cleveren Schildmechanik und der grandiosen DualSense-Einbindung unfassbar befriedigend von der Hand geht. Sterben ist hier kein Frust, sondern elementarer Teil des Fortschritts.
Gepaart mit der bildgewaltigen Optik und einer fast schon unverschämt stabilen Performance ist Saros nicht einfach nur der nächste Sony-Blockbuster. Es ist ein spielerisches und erzählerisches Ausnahmespiel, das mich auf ganzer Linie gefesselt hat. Für mich steht schon jetzt fest: Hier haben wir einen absoluten Top-Favoriten auf den „Game of the Year“-Titel!

