Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok im Test: Ein bildschönes Action-Brett mit brutaler Endgame-Betonwand

Es grenzt im aktuellen Gaming-Jahr fast schon an ein kleines Wunder: Ein brandneues, optisch opulentes Action-RPG erscheint auf dem PC, und man braucht keine künstlichen Upscaling-Krücken wie DLSS oder FSR, um eine absolut flüssige Framerate zu erzielen. Bei der gigantischen, groß angelegten Erweiterung Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok ist das glücklicherweise mal absolut nicht nötig. Nach all den technischen Performance-Katastrophen und unoptimierten Grafik-Blenden der jüngeren Vergangenheit ist das ein fetter Pluspunkt, den man gar nicht laut genug betonen kann. Cygames zeigt der versammelten Industrie hier eindrucksvoll, was sauberes Handwerk und engagierte Optimierung ausmachen.

Für diesen Test haben wir uns über die spezielle Review-Branch „buceros“ auf Steam eingeklinkt und unzählige Stunden im virtuellen Zegagrande-Skydom verbracht. Das Ergebnis ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite steht ein absolut berauschendes, flüssiges Action-Feuerwerk – auf der anderen Seite eine der rücksichtslosesten Einstiegshürden der jüngeren Rollenspiel-Geschichte.

Technik-Check: Das native Grafik-Wunder

Das Spiel ist einfach super schön geworden. Der cell-shading-basierte Anime-Look ist schlicht perfekt getroffen, wirkt wie aus einem Guss und erweckt die ursprüngliche Ästhetik des Franchise in prachtvollem 3D zum Leben. Was die hauseigene Engine hier leistet, ist phänomenal. Wenn man mit einer eingespielten Vierer-Truppe loszieht, verwandelt sich der Bildschirm im Sekundentakt in ein absolut extremes Effekt-Feuerwerk. Spezialangriffe krachen in den Boden, magische Explosionen füllen das Sichtfeld und Partikeleffekte wirbeln im Sekundentakt umher.

Der absolute Clou: Es gab im gesamten Testverlauf absolut keine Ruckler, keine unschönen Frametime-Spikes und keine störenden Lags. Das Spiel läuft butterweich und hält seine Bildrate selbst in den chaotischsten Koop-Schlachten wie eine Eins. Wer Angst hatte, dass die Engine unter der Last der neuen Effekte einknickt, kann komplett aufatmen. So muss ein PC-Spiel auf den Markt kommen: performant, stabil und optisch atemberaubend schön, ganz ohne die softwareseitigen Notfall-Pflaster der Grafikkarten-Hersteller.

Die Prämisse: Ein runderes Gesamtpaket für den Skydom

Inhaltlich klotzt die Erweiterung ordentlich ran. Endless Ragnarok versteht sich als umfassendes Paket, das sowohl die ursprüngliche Reise aufwertet als auch massig frischen Content für die Langzeitmotivation liefert. Solltet ihr euch dazu entscheiden, komplett von vorne zu beginnen, spendiert Cygames dem Spiel ein neues, atmosphärisches Opening-Movie, frisch implementierte Story-Events und tiefgreifende Anpassungen am Gameplay-Balancing, die den Spielfluss spürbar runder und zugänglicher gestalten.

Wer das Hauptspiel bereits in- und auswendig kennt, steuert dagegen direkt auf die neuen narrativen Pfade und die massive Riege an frischen spielbaren Charakteren zu. Die Erweiterung wirft klangvolle Namen wie Beatrix und Eustace in den Ring, die sich bereits nach wenigen Minuten Spielzeit freischalten lassen. Im späteren Verlauf der Story gesellen sich zudem die mächtigen Kämpfer Gallanza und Maglielle sowie die heiß ersehnten Figuren Fraux und Fediel zur Auswahl. Jeder dieser Neuzugänge bringt ein komplett eigenes, erfrischend unkonventionelles Move-Set mit, das die taktische Varianz der Truppenkonstellationen massiv aufwirbelt.

Das Core-Gameplay: Präzision, Combos und taktische Tiefe

Beim Core-Gameplay bleibt sich der Titel im Kern treu und verfeinert die süchtig machende Action-Formel von Granblue Fantasy: Relink bis zur Perfektion. Die rasanten Echtzeit-Kämpfe fordern eure Reflexe und euer Timing gleichermaßen. Ihr müsst im Sekundentakt Angriffe verketten, feindlichen Attacken im exakt richtigen Frame ausweichen und die spezifischen Mechaniken eures gewählten Charakters beherrschen. Das Zusammenspiel der Vierer-Gruppe ist dabei das schlagende Herz des Systems: Durch kontinuierliche Treffer baut ihr die Stun-Anzeige des Gegners auf. Ist diese gefüllt, lassen sich verheerende Link-Attacks auslösen, die den Boss kurzzeitig in die Knie zwingen und ein perfektes Zeitfenster für maximalen Schaden eröffnen.

Bosse sind hierbei keineswegs seelenloses Kanonenfutter. Verliert ein Monster zu viel Lebensenergie, wechselt es in den gefürchteten „Overdrive“-Modus. In dieser Phase dreht der Boss komplett hohl, teilt massiven Schaden aus und wird immun gegen die meisten Kontroll-Effekte. Hier wandelt sich das Spiel von einer gierigen Combo-Orgie zu einem harten Überlebenskampf, in dem perfektes Blocken und taktischer Rückzug über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Endless Ragnarok setzt hier mit dem brandneuen Summon-System eine mächtige, zusätzliche Ebene obendrauf. Im Kampf lassen sich nun spektakuläre Beschwörungen aktivieren, die das Blatt in brenzligen Situationen komplett wenden können. Kombiniert man diese taktischen Riesen im richtigen Moment mit den Spezialmanövern der restlichen Crew, entfesselt ihr einen neuartigen, absolut bildschirmfüllenden Primal Burst, der die Lebensleisten der Feinde regelrecht implodieren lässt.

Für Solisten und Grind-Liebhaber ist zudem der neue Modus „The Conflux“ das absolute Herzstück. Hier werdet ihr in schrittweise härter werdende Gameplay-Zyklen (Cycle 1 bis hin zu den tiefen, mörderischen Cycles) geworfen, die euer gesamtes spielerisches Können fordern. Gepaart mit den neuen Waffen-Erweckungs-Sidequests und den mächtigen „Master Traits“ – einem brandneuen Progressions-Feature, mit dem ihr die Statuswerte eurer Recken in astronomische Höhen treiben könnt – bietet das Add-on eine Langzeitmotivation, die Genrefans für Wochen an den Bildschirm fesseln wird.

Die Einstiegshürde: Die gnadenlose Post-Game-Wand

So grandios und flüssig sich dieses ganze Zahnradwerk auch spielt – wir müssen ganz dringend über die Kehrseite der Medaille sprechen. Cygames schwingt hier eine mörderische Keule, die Gelegenheitsspieler oder Rückkehrer ohne Vorwarnung im Staub zermalmen wird. Die Einstiegshürde von Endless Ragnarok ist nicht nur hoch, sie ist schlichtweg brutal. Das Spiel fackelt nicht lange und geht felsenfest davon aus, dass ihr einen extrem gut optimierten, absolut ausgemacherten Endgame-Spielstand aus dem Hauptspiel besitzt.

Um überhaupt einen Fuß in die neuen Story-Inhalte zu bekommen, verlangt das Spiel im regulären Ablauf, dass ihr die Kampagne von Relink komplett abgeschlossen und die knallharte Quest „The Tale of Bahamut’s Rage“ – also den berüchtigten Kampf gegen Proto-Bahamut – erfolgreich hinter euch gebracht habt. Erst dann schalten sich die neuen, bockschweren Chaos-Quests frei.

Zwar bietet die Erweiterung im bereitgestellten Review-Build ein spezielles Speicherdaten-Set in Slot 1 an, bei dem die Charaktere für den schnellen Einstieg künstlich auf ein absurd hohes Niveau hochgeprügelt wurden. Doch selbst mit dieser massiven Starthilfe wird der allererste Kampf der neuen Inhalte zu einem absoluten Fegefeuer. Das Spiel wirft euch ohne langes Aufwärmen in ein mörderisches Gefecht, das absolut keine Fehler verzeiht. Wer hier die Mechaniken nicht im Schlaf beherrscht, seine Ausrüstung vernachlässigt hat oder mit den Synergien der Truppe überfordert ist, rennt ungebremst gegen eine uneinnehmbare Betonwand. Für absolute Hardcore-Veteranen, die nach neuem Futter lechzen, ist dieser kompromisslose Ansatz ein absoluter Traum – für alle anderen wird es zu einer verdammt harten Lektion in Sachen Frusttoleranz.

Fazit

Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok ist ein absoluter Pflichtkauf für jeden, der das Hauptspiel geliebt und im Endgame gecampt hat. Technisch liefert Cygames ein absolutes Meisterstück ab und zeigt der Konkurrenz, wie ein performanter PC-Release ohne erzwungene Upscaling-Zwänge auszusehen hat. Das rasant-taktische Kampfsystem gewinnt durch das grandiose Summon-System, die verheerenden Primal Bursts und den genialen, fordernden „The Conflux“-Modus massiv an Tiefe und spielerischer Klasse.

Allerdings zeigt das Add-on Genreneulingen oder unvorbereiteten Rückkehrern eiskalt den Mittelfinger. Die mörderische Einstiegshürde und der sofortige Sprung in den knallharten Chaos-Schwierigkeitsgrad machen unmissverständlich klar, dass dieser Brocken reine Feinkost für absolute Profis ist. Wer den passenden, perfekt optimierten Spielstand vorweisen kann, bekommt hier das vielleicht beste und rundeste Action-RPG-Paket des Jahres serviert – alle anderen beißen sich an dieser Gameplay-Wand die Zähne aus.

Cover
Release:
08.07.2026

👍 Pro

  • Hervorragende technische Optimierung ohne erzwungenes Upscaling
  • Atemberaubender, flüssiger Anime-Grafikstil
  • Tiefgreifendes und perfektioniertes Kampfsystem
  • Gelungene Integration neuer Spielmechaniken wie das Summon-System
  • Hohe Langzeitmotivation durch den Modus 'The Conflux'
  • Umfangreiche Ergänzung durch neue spielbare Charaktere

👎 Contra

  • Extrem hohe und frustrierende Einstiegshürde
  • Voraussetzung eines bereits perfekt optimierten Endgame-Spielstands
  • Teilweise unfair wirkender Schwierigkeitsgrad für Gelegenheitsspieler
  • Kaum barrierefrei für Rückkehrer oder Neulinge
Wertung
8.5
★★★★☆
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