Die S.T.A.L.K.E.R.-Reihe gehörte schon immer zu den Serien, die ich unbedingt spielen wollte, es aber irgendwie nie geschafft habe. Entweder hatte ich keinen passenden PC oder die Spiele wirkten mit der Zeit einfach zu alt. Mit dem zweiten Teil habe ich es nun endlich gewagt – eigentlich schon vor längerer Zeit –, trotzdem habe ich mir auch noch die PS5-Version dieses interessanten und teilweise einzigartigen Spiels angesehen.
Kommen wir nun zum Spiel selbst. Die S.T.A.L.K.E.R.-Games sind vor allem für ihre Bugs bekannt. Das klingt zunächst schlimm, doch die Spiele waren stets ambitioniert darin, eine lebendige Simulation abzuliefern, und viele der Fehler wurden im Laufe der Zeit behoben. Das gilt auch für den zweiten und neuesten Teil. Deshalb möchte ich an dieser Stelle lediglich eine Warnung aussprechen: Ja, es gibt Bugs, aber sie machen das Spiel nicht schlechter.
Kommen wir nun zur Story und der Welt von S.T.A.L.K.E.R.
Story und Welt
Man spielt Skif, einen Mann, dessen Wohnzimmer von einem seltsamen Kristall in Schutt und Asche gelegt wurde. Auf der Suche nach Antworten stößt man auf einen Wissenschaftler, der möchte, dass wir uns in die Zone schleichen – das gesperrte Gebiet rund um Tschernobyl. Natürlich geht dabei etwas schief, und wir stranden in der Zone. Von dort an versuchen wir, unser Artefakt zurückzubekommen, machen uns als Stalker einen Namen und erforschen Schritt für Schritt diese gefährliche Welt.

Die Story ist eigentlich schnell erzählt, ebenso ihre Struktur: Man erfüllt immer wieder Aufträge und kommt so nach und nach demjenigen näher, der einem das Artefakt gestohlen hat. Wirklich interessant ist jedoch die Welt selbst, denn sie fühlt sich besonders lebendig an. In ihr haben sich gefährliche Mutanten und Anomalien rund um Tschernobyl entwickelt. Die Zone ist außerdem von Stalkern, Soldaten und Banditen bevölkert, wodurch immer wieder Konflikte entstehen, die sich ganz natürlich in der Spielwelt widerspiegeln. Stalker oder Soldaten kämpfen gegen Banditen und Mutanten – oder manchmal auch gegeneinander.
All das wird von einer Hauptquest-Reihe getragen, die einen immer tiefer in diese Konflikte hineinzieht. Dabei gibt es verschiedene Fraktionen, bei denen man sich Ruf erarbeiten kann. Wie hoch dieser ist, wird einem allerdings nicht angezeigt; man merkt es nur daran, wie die Fraktionen auf einen reagieren. Das fühlt sich angenehm organisch an.

Auf eigene Faust erkundet man Ruinen, Höhlen und andere interessante Orte. Manche davon sind von Anomalien verändert, von Mutanten bevölkert oder von feindlichen Fraktionen besetzt. Dabei findet man nützliche Ausrüstung oder stößt vielleicht auf eine neue Quest. Die Welt ist insgesamt einfach großartig – auch, weil jeder NPC einen eigenen Namen hat, und damit ist wirklich jeder gemeint. Man wird keinen Charakter finden, der schlicht „Bandit“ heißt, außer es ist tatsächlich sein Spitzname. Das macht die Welt sehr glaubwürdig und interessant.
Gameplay
S.T.A.L.K.E.R. ist in erster Linie ein Shooter. Das bedeutet, dass man in den meisten Fällen auf Waffengewalt zurückgreifen muss. Dabei verdient man weder Erfahrungspunkte noch Skillpunkte. Klassische Rollenspielmechaniken gibt es nicht, abgesehen von einem sehr ausgeklügelten Fraktions- und Dialogsystem. Insgesamt spielt sich Stalker deutlich simulationslastiger: Waffen haben ein starkes Rückstoßprofil, und man liegt selbst schnell im Dreck, wenn man unbedacht auf Gegner oder Mutanten zurennt.

Eine Gesundheitsregeneration über Zeit gibt es ebenfalls nicht. Stattdessen muss man Medikits und Verbände mit sich herumtragen. „Mitschleppen“ ist hier auch das richtige Stichwort, denn zu jeder Zeit muss man auf das Gewicht des Inventars achten. Man kann also nicht für jede Situation eine eigene Waffe dabeihaben oder Munition für einen kleinen Krieg mitnehmen.
Die Quests sind meist so aufgebaut, dass man an einen bestimmten Ort muss, um dort etwas zu erledigen. Dabei kann es passieren, dass man auf menschliche Gegner, Mutanten oder gefährliche Anomalien trifft. Gerade Anomalien können einen schneller töten als jeder Gegner, da sie oft schwer zu erkennen sind oder man einen sicheren Weg um sie herum planen muss.
Zusätzlich zur nötigen Planung ist Munition häufig knapp, und Waffen können kaputtgehen oder Ladehemmungen haben, was für eine dichte Immersion sorgt. Viele Situationen lassen sich auch verdeckt lösen, allerdings ist Vorsicht geboten, da die KI sehr kompetent agiert.

Positiv ist außerdem, dass sich viele Quests nicht nur auf eine Art lösen lassen. Dadurch bleibt jeder Spieldurchgang angenehm individuell.
Zusammenfassend ist S.T.A.L.K.E.R. ein Open-World-Story-Shooter, der teilweise recht fordernd ist, aber immer wieder coole und interessante Geschichten erzählt – auch durch sein Gameplay.
Technik
Kommen wir nun zum großen Knackpunkt: der Technik. Ich habe bereits gesagt, dass ich hier nicht viel über Bugs berichten werde, allerdings gab es einen, der mich stark genervt hat. Manchmal hat sich die Kamera einfach selbstständig gemacht. Natürlich habe ich zuerst an Stick-Drift gedacht, doch dieses Problem ist in keinem anderen Spiel aufgetreten.
Kommen wir zur Performance. Diese ist grundsätzlich gut, allerdings fällt sie im Performance-Modus teilweise unter die 60 FPS und fühlt sich dadurch etwas stotternd an. Das ist leider nicht ganz so schön, wird aber vermutlich noch behoben werden.
Zu guter Letzt noch ein Wort zum Sound: Der ist fantastisch. Gerade bei Gewitter oder Regen habe ich mehrmals Gänsehaut bekommen, und auch insgesamt klingt die Welt angenehm realistisch.
Fazit
S.T.A.L.K.E.R. 2 ist kein Spiel für jedermann, aber genau das macht seinen Reiz aus. Es ist fordernd, manchmal unbequem und technisch nicht ganz frei von Problemen, doch die dichte Atmosphäre, die glaubwürdige Welt und das simulationslastige Gameplay machen vieles davon wieder wett. Die Zone fühlt sich lebendig und gefährlich an, jede Entscheidung will gut überlegt sein, und gerade dadurch entstehen immer wieder spannende, einzigartige Momente.
Wer einen klassischen Shooter mit Komfortfunktionen erwartet, wird hier vermutlich nicht glücklich. Wer sich jedoch auf die langsame, harte und immersive Art von S.T.A.L.K.E.R. einlässt, bekommt ein besonderes Spielerlebnis geboten, das man so nur selten findet. Trotz kleiner technischer Schwächen ist S.T.A.L.K.E.R. 2 ein starkes Spiel, das vor allem durch seine Welt, Atmosphäre und das emergente Gameplay überzeugt.

