Crimson Desert im Test(PC): Gefangen zwischen Meisterwerk und Motivationsloch

Manchmal schlägt ein Spiel schon lange vor Release gewaltige Wellen – und damit meine ich nicht den Hype um ein popkulturelles Phänomen vom Schlage eines GTA. Ich spreche von Titeln, die im ersten Moment einfach zu gut aussehen, um wahr zu sein. Genau so ein Fall war Crimson Desert für mich. Ein Spiel, das optisch schlichtweg unverschämt gut aussieht und auch auf dem Papier spielerisch unglaublich viel zu bieten hat.

Für mich galt im Vorfeld ganz klar das Motto: „Make it or break it“. Wird es das Game of the Year oder der Flop des Jahres? Einen Mittelweg gab es in meiner Erwartungshaltung eigentlich nicht. Und jetzt? Tja, jetzt sitzt es ausgerechnet irgendwo dazwischen. Versteht mich nicht falsch: Es ist beileibe kein schlechtes Spiel, aber es packt mich eben auch nicht richtig. Ich musste mich immer wieder regelrecht überwinden, es überhaupt zu starten – und das, obwohl es rein mechanisch und spielerisch eigentlich fantastisch ist. Woran genau das liegt und warum der Funke einfach nicht überspringen will, ergründen wir jetzt.

Story: Holpriger Einstieg und verpasste Chancen

Worum geht es in Crimson Desert eigentlich? Im Vorfeld hat man viel Gameplay, knackige Rätsel und spektakuläre Kämpfe gesehen, aber die Story? Die ist, das nehme ich direkt vorweg, leider eher zweitrangig.

Ihr schlüpft in die Rolle von Kliff, einem Mitglied einer Söldnerbande. Diese wird im Prolog angegriffen, woraufhin Kliff seine Kameraden aus den Augen verliert und im Kampfgeschehen passenderweise über eine Klippe geschleudert wird – ja, die Ironie seines Namens ist auch mir nicht entgangen. Danach wird die Erzählung ehrlich gesagt ziemlich wirr. Ihr wacht nämlich nicht etwa logisch an einem Flussufer auf, sondern steht plötzlich angelnd am Wasser und helft einem Händler. Kurze Zeit später erwacht ihr dann völlig unzusammenhängend in eurem Zelt – und so geht es munter weiter.


Die kompletten Kapitelübergänge sind gerade in den ersten Stunden unglaublich holprig und konfus. Und dann? Tja, dann kommt unweigerlich der Punkt, an dem man vor lauter Open-World-Ablenkungen die Hauptgeschichte völlig aus den Augen verliert. Ja, es gibt eine Story und haufenweise Dialoge. Wenn aber endlich der Moment erreicht ist, in dem die Handlung mal anzieht, ist sie einem eigentlich schon völlig egal – oder man hat schlichtweg vergessen, worum es überhaupt ging. Ich habe beispielsweise locker zehn Stunden die Welt erkundet, bevor ich die Hauptquest im ersten Gebiet überhaupt richtig angepackt habe. Und genau diese Welt ist das eigentliche Highlight des Spiels!

Die Spielwelt: Zelda auf Steroiden

Der Kontinent Pywel ist riesig – und damit meine ich verdammt riesig! In den abwechslungsreichen Biomen gibt es schier unendlich viel zu entdecken. Der beste Vergleich, der mir hierzu einfällt: Stellt euch die aktuellen Zelda-Spiele vor, aber auf Steroiden. An wirklich jeder Ecke wartet eine versteckte Höhle mit einem Schatz oder einem kniffligen Rätsel. Das ist großartig, vor allem deshalb, weil die Map euch nicht mit stupiden Fragezeichen zukleistert. Das Spiel gibt euch das Gefühl, eine unberührte, eigene Welt zu erkunden. Überall gehen NPCs glaubhaft ihrem Tagewerk nach, und zu vielen von ihnen könnt ihr sogar Beziehungen aufbauen.

Das ist alles verdammt gut gemacht und visuell schlichtweg atemberaubend. Aber es ist an vielen Stellen leider auch einfach zu viel.

Wenn der Umfang zum Motivationskiller wird

Für einen reinen Fußmarsch quer durch die gesamte Spielwelt benötigt ihr gut und gerne vier bis fünf echte Stunden. Mal eben schnell irgendwo hingehen? Fehlanzeige. Wenn ihr die Welt wirklich erkunden wollt, frisst ein einziger Spieldurchlauf locker mehrere hundert Stunden. Das mag fantastisch sein, wenn man sich nur ein Spiel im Jahr kauft und sich komplett darin verlieren möchte. Für mich persönlich ist es aber schlichtweg eine Nummer zu groß und zu erschlagend.


Versteht mich nicht falsch, ich liebe ausladende Open-World-Games. Aber diese müssen mich zumindest phasenweise an die Hand nehmen und mir einen roten Faden bieten, damit ich motiviert bleibe, das Geheimnis der Welt zu lüften. Bei Crimson Desert? Tja, da ging mir nach knapp 20 Stunden komplett die Puste aus, weil ich immer noch in der allerersten Stadt festhing. Ich musste mich regelrecht zwingen weiterzuspielen – und das kann irgendwie nicht Sinn der Sache sein.

Aber genug gemeckert, kommen wir jetzt zum Gameplay. Denn das ist, um fair zu bleiben, tatsächlich verdammt cool!

Gameplay

Das Gameplay… was soll ich sagen? Das ist teilweise einfach perfekt. Der Kampf fühlt sich wuchtig an, ihr könnt verschiedenste Waffentypen wählen. Dabei könnt ihr immer Waffen in beiden Händen ausgerüstet haben, dazu gehört auch ein Schild oder aber eine größere Waffe, die ihr mit beiden Händen führt. Im Kampf wird dann geblockt, pariert und mit leichten oder schweren Schlägen angegriffen. Das ganze kann man wie Sekiro spielen oder wie ein Dark Souls, um ein paar vergleichen zu bleiben. Dabei gibt es allerdings noch einige Kräfte und Spezialattacken, die ihr durch Leveln oder mit Abyssartefakten freischalten könnt oder ihr lernt Skills vielleicht einfach mal von Gegnern, in dem ihr diese mit eurer Lampe anleuchtet. So könnt ihr Skills auch „Gratis“ freischalten, das ist tatsächlich auch nützlicher als man denkt.


Neben dem ganzen Kämpfen, könnt ihr alles machen was euch sonst noch so einfällt. Klettern, Springen, Gleiten, Erze abbauen, Holz hacken, Zutaten Sammeln, putzen und kochen. Ich habe in meiner Aufzählung bestimmt noch einiges vergessen, aber Crimson Desert ist voll gestopft mit Aktivitäten und Features und das auf kosten von etwas wichtigem, der Steuerung und ja ich weiß, es kamen schon einige Patches die sich dem Angenommen haben, aber die Steuerung ist immer noch anstrengend, da ihr Fähigkeiten habt, aber ihr müsst auch zwischen den verschiedenen Zweihändigen Werkzeugen wechseln oder zwischen besonderen Rüstungen, die euch bestimmte Aktionen erlauben und wenn das noch nicht zu viel ist, dann müsst ihr auch noch eure Lampe nutzen, die ihr aber nicht im Kampf nutzen könnt. Teilweise sind Tasten auch zwei oder dreimal beleget. Ihr bekommt zum Beispiel recht früh beigebracht, dass ihr mit eurem Schwert Gegner blenden könnt, ich wusste nur nicht mehr wie es geht, als ich dann mal wirklich einen Kampf hatte in dem es etwas gebracht hätte.

Dabei ist das, was ihr machen könnt teilweise einfach Genial und extrem frei. Ich könnte mich so sehr in der Welt, den physikalischen Rätseln und generell den Dungeon verlieren, wenn es nicht so verflucht komplex wäre und das sind teilweise nur die Sachen die am Anfang drin sind.

Sein wir aber mal ehrlich, das ist eh alles vergessen, wenn man auf dem Rücken des eigenen Drachen reitet und durch die lüfte fliegt und das ist vermutlich das Problem, denn Crimson Desert weiß einfach, wie es spielerisch Begeistert ob wohl es eine der wohl schlimmsten Steuerungen hat, die ich kenne!

Gameplay: Wuchtige Kämpfe im Sekiro-Stil

Das Gameplay… tja, was soll ich sagen? Es ist in Teilen schlichtweg perfekt. Der Kampf fühlt sich extrem wuchtig an und lässt euch die freie Wahl aus verschiedensten Waffentypen. Ihr könnt wahlweise zwei Waffen gleichzeitig führen, klassisch auf Schwert und Schild setzen oder eine massive Zweihandwaffe schwingen. Im Gefecht wird geblockt, pariert und mit leichten sowie schweren Schlägen ausgeteilt. Wer möchte, kann das Ganze wahlweise wie ein Sekiro oder eher wie ein Dark Souls spielen, um bei den offensichtlichen Vergleichen zu bleiben.


Dazu gesellen sich übernatürliche Kräfte und Spezialattacken, die ihr durch Levelaufstiege oder sogenannte Abyss-Artefakte freischaltet. Ein besonders cooler Kniff: Ihr könnt Skills teilweise auch direkt von Gegnern lernen, indem ihr diese mit eurer Laterne anleuchtet. So schaltet ihr Fähigkeiten quasi „gratis“ frei – eine Mechanik, die sich in der Praxis als viel nützlicher erweist, als man anfangs denkt.

Überladen bis zum Fingerkrampf

Abseits der Kämpfe könnt ihr in Crimson Desert eigentlich alles machen, was euch in den Sinn kommt: Klettern, Springen, Gleiten, Erze abbauen, Holz hacken, Zutaten sammeln, kochen und sogar putzen. Ich habe in dieser Aufzählung garantiert noch die Hälfte vergessen, denn das Spiel ist bis zum Rand vollgestopft mit Aktivitäten und Features. Doch dieser schiere Überfluss fordert einen hohen Tribut: die Steuerung.

Ja, ich weiß, es gab bereits einige Patches, die sich dieses Problems annehmen wollten, aber die Bedienung bleibt schlichtweg anstrengend. Ihr müsst ständig zwischen diversen zweihändigen Werkzeugen oder speziellen Rüstungen wechseln, die euch bestimmte Aktionen überhaupt erst erlauben. Als wäre das nicht schon fummelig genug, kommt noch besagte Laterne dazu, die sich wiederum im Kampf gar nicht nutzen lässt. Das Tasten-Layout ist völlig überladen; viele Knöpfe sind doppelt oder dreifach belegt. Ein perfektes Beispiel: Das Spiel bringt euch relativ früh bei, wie ihr Gegner mit der Lichtreflexion eurer Schwertklinge blenden könnt. Als ich dann Stunden später endlich mal in einem Kampf war, in dem dieser Move wirklich nützlich gewesen wäre, hatte ich die Tastenkombination längst wieder vergessen.

Grenzenlose Freiheit vs. Kontroll-Chaos

Was man in dieser Welt anstellen kann, ist oft genial und vermittelt ein unglaubliches Gefühl von spielerischer Freiheit. Ich könnte mich völlig in der Spielwelt, den physikalischen Rätseln und den abwechslungsreichen Dungeons verlieren – wenn die Mechaniken nicht so verflucht komplex und überladen wären. Und wir sprechen hier größtenteils nur von den Dingen, die euch am Anfang entgegengeworfen werden!

Aber sind wir mal ehrlich: All dieser Frust ist in der Sekunde vergessen, in der man sich auf den Rücken seines eigenen Drachen schwingt und majestätisch durch die Lüfte gleitet. Und genau das ist das paradoxe Problem dieses Spiels: Crimson Desert weiß einfach haargenau, wie es spielerisch bedingungslos begeistert – und das, obwohl es eine der wohl schlimmsten und überladensten Steuerungen hat, die mir je untergekommen sind!

Technik: Ein atemberaubender Hardware-Fresser

Crimson Desert ist ohne Übertreibung eines der schönsten Spiele, die ich kenne. Das liegt nicht nur an der reinen Grafikpower, sondern an der gesamten Präsentation: Wie dynamisch Wind und Wetter funktionieren, wie detailliert selbst beiläufige NPCs gestaltet sind und wie organisch sich die Welt anfühlt. Auch die Physiksimulation ist schlichtweg atemberaubend. Es gibt aktuell nur wenige Spiele, die einen derart glaubhaft in eine so wunderschöne, systemische Welt werfen.


Diese visuelle Pracht hat auf dem PC allerdings ihren Preis – und der fällt gewaltig aus. Ihr müsst buchstäblich jedes technische Register ziehen, um Crimson Desert wirklich flüssig spielen zu können. Ohne Upscaler wie DLSS oder FSR und aktivierte Frame Generation geht hier bei hohen Settings fast gar nichts. Normalerweise bin ich absolut kein Fan davon, wenn Spiele diese Hilfsmittel quasi erzwingen und sich darauf ausruhen. Aber bei Crimson Desert muss ich zugeben: Es macht Sinn, denn die gebotene Grafik rechtfertigt den massiven Ressourcenhunger durchaus.

Das Beleuchtungsproblem im Dunkeln

Einen spürbaren Wermutstropfen gibt es dennoch, und der betrifft das Beleuchtungssystem. Vor allem in dunklen Gewölben und bei Nacht fällt auf: Wenn ihr nicht gerade mit hohen oder sehr hohen Raytracing-Einstellungen spielt, wirkt das Licht oft schlichtweg falsch und unnatürlich. Irgendetwas stimmt da an der Ausleuchtung ohne Raytracing nicht, was für die ansonsten so dichte Atmosphäre verdammt schade ist.

Aktiviert ihr das Raytracing jedoch, um diesen Fehler auszugleichen, schlägt der Hardware-Hunger gnadenlos zu. Gerade bei höheren Auflösungen in Kombination mit der komplexen Physiksimulation kann die Performance dann auch auf starken Rechnern mal empfindlich in den Keller rutschen.

Aber um das richtig einzuordnen: Angesichts der optischen Brillanz, die einem hier auf den Bildschirm gezaubert wird, ist das letztlich Meckern auf sehr hohem Niveau – und schlichtweg ein Preis, mit dem man bei diesem Grafik-Feuerwerk rechnen musste.

Fazit: Ein ungeschliffenes, gigantisches Meisterwerk

Crimson Desert hinterlässt mich mit einem echten Zwiespalt und ist am Ende weder das absolute Game of the Year noch der befürchtete Flop geworden – es sitzt genau dazwischen. Auf der einen Seite haben wir hier ein absolutes Meisterwerk der Open-World-Gestaltung. Wir bekommen eine atemberaubende, gigantische Spielwelt à la Zelda auf Steroiden, wuchtige Kämpfe im Sekiro-Stil, eine brillante Physik-Engine und den schieren Nervenkitzel, auf dem Rücken eines Drachen durch eine der schönsten Welten aller Zeiten zu fliegen. Wenn das Spiel glänzt, dann blendet es fast schon vor Brillanz.


Auf der anderen Seite steht sich der Titel aber viel zu oft selbst im Weg. Die völlig überladene, teils katastrophale Steuerung, der immense Hardware-Hunger und eine Story, die in der schieren Masse an Möglichkeiten komplett untergeht, zehren extrem an der Motivation. Das Spiel ist so riesig und mit Mechaniken vollgestopft, dass es mich eher erschlagen als gefesselt hat und ich mich streckenweise zum Weiterspielen zwingen musste.

Wer die Geduld für die chaotische Bedienung aufbringt, extrem viel Zeit für hunderte Spielstunden hat und die nötige PC-Hardware mitbringt, wird sich in diesem epischen Abenteuer komplett verlieren können. Wer aber hin und wieder einen roten Faden braucht, um bei der Stange zu bleiben, wird in der schieren Wucht von Pywel gnadenlos untergehen. Crimson Desert ist ein faszinierendes Erlebnis – aber definitiv nicht für jedermann.

Crimson Desert im Test(PC): Gefangen zwischen Meisterwerk und Motivationsloch
Spielwelt & Erkundung
10
Kampfsystem & Gameplay
9
Grafik & Technik
8.5
Story & roter Faden
6.5
Steuerung & Bedienung
4.5
Das hat mir Gefallen
Das war nicht so gut
7.7