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Death Stranding Director’s Cut (PS5) im Test

Death Stranding Director’s Cut (PS5) im Test

Death Stranding ist das neuste Werk von Kojima Productions, also auch jenem Kojima, der für die berüchtigte Reihe Metal Gear bekannt ist. Ein paar Vorschusslorbeeren hat es deshalb auch schon vorab gegeben, bevor viele in den Genuss des Spiels kamen. Auch nach Release des Spiels wurde es in den Himmel gelobt, zumindest von der Presse, denn einige Spieler haben es auch ziemlich zerrissen.

Folgender Test dient nicht dazu, das Spiel in den Himmel zu loben, aber auch nicht, es zu zerreißen. Denn beides hätte das Spiel nicht verdient – so meine Meinung.

Sam Porter Bridges

Death Stranding behandelt eine Zukunft, die weit von einer Utopie entfernt ist. Nach diversen Leerestürzen, die eine riesigen – nur noch tödlicheren Explosion – gleichkommen, musste sich die Menschheit neu organisieren.

Ein sehr düsterer Neuanfang

Nun leben diese Menschen in Bunkern und sind voneinander abgeschnitten. Und da kommt das Liefer-Unternehmen Bridges ins Spiel, für das auch der Protagonist Sam Porter Bridges arbeitet. Das ist natürlich nicht sein richtiger Name, sondern eine Mischung aus seinem Vornamen, seiner Arbeit und seiner Arbeitsstätte.

Sam liefert also Pakete aus, die mal aus medizinischen Vorräten bestehen und auch mal eher Unwichtiges enthalten, solange die Empfänger und Sender dafür bezahlen. Die Bezahlung erfolgt meist auch zusätzlich über gewisse Ausrüstungsgegenstände, u.a. mal Schuhe, mal eine Brille oder auch sehr nützliche Gegenstände, die dem Spieler wirklich beim Ausliefern helfen.

Würde das Spiel es nun bei allem belassen, hätten wir einen waschechten DHL-Simulator. Und dahingehend gehen auch die meisten sehr schlechten Kritiken.

Lieferbote mit Waffen

Das Spiel belässt es aber nicht nur dabei. Schnell zieht die Story an. So soll Sam Amerika an ein Netz anschließen, sodass die Kommunikation wiederhergestellt wird. Das chirale Netzwerk, das Sam aufbaut, dient aber nicht nur dazu, dass alle miteinander reden können, es ist auch nützlich für Sam. Immerhin kann dieser dann Konstruktionen errichten, auf die Materialien der Basen zugreifen und dann beginnt auch schon der Multiplayer-Part. Sobald sich Sam in einem Gebiet befindet, das im chiralen Netzwerk ist, werden ihm die Bauten anderer Spieler angezeigt. Er kann dann beispielsweise Brücken begehen, die andere Spieler zusammen gebaut haben. Er kann sich aber auch beteiligen, Konstruktionen verbessern, Straßen errichten und dafür sorgen, dass er und auch andere Spieler, solange sie sich in einem chiralen Netzgebiet befinden, diese Konstruktionen nutzen können.

Straßenbau per 3D-Drucker – kostet nur sehr sehr viel an Materialien

Die Story beinhaltet jedoch mehr, als einfach nur ein geeintes Amerika, die sogenannten UCA, anzustreben. Es geht auch noch um die mysteriösen BBs, Bridge Babys, die Trägern das Sehen von GDs ermöglichen. GDs sind Wesen aus dem Totenreich, die Lebende angreifen. Also auch hier ist für ein Supergegner gesorgt.

Okay, es gibt auch menschliche Gegner, aber dazu mehr im Spiel

Und sind es mal nicht die GDs, die Sam das Leben schwer machen, dann gibt es auch noch MULEs, Plünderer, die nicht gut auf Sam zu sprechen sind, seine Waren klauen und ihn am liebsten töten möchten.

Tödliche Umwelt

Neben der menschlichen und unmenschlichen Komponente kommt dann auch noch die Umwelt dazu. Auch diese macht Sam das Leben alles andere als leicht. Bevor er nämlich im chiralen Netzwerk ist, muss er Berge erklimmen, Flüsse überqueren und jedes Steinchen, das ihm im Weg liegt, sorgt dafür, dass das Vorankommen schwieriger wird. Er stolpert, er lässt Fracht fallen, er muss sie einsammeln, wieder reparieren und sein Hauptziel ist meist dadurch weiter entfernt, als ihm lieb ist.

Zwar wird es etwas einfacher, wenn er genug Materialien sammelt und die Konstruktionen anderer verbessert oder sogar eigenständig Konstruktionen baut, dennoch ist der erste Weg – und das muss jetzt mal ganz offen gesagt werden – eine Qual.

So leicht kann es mit einer Straße sein
Aber auch ein Fahrzeug kann schon Abhilfe schaffen

Durch halb Amerika (auch wenn wir hier nicht von einem realistischen Maßstab sprechen) zu wandern, ständig neue Wege und Umwege zu finden und dann darauf zu hoffen, dass irgendwer bereits etwas gebaut hat, weil die Materialien von vorne bis hinten nicht reichen oder mal wieder die letzte Leiter verloren gegangen ist, kann schon anstrengend, wenn nicht sogar frustrierend sein.

Das Gameplay rund um den Transport von Waren variiert im Laufe des Spiels nur leicht. Mal ist es ein Paket der Größe S, dann M, L und XL. Dann mal eine Leiche, dann mal eine lebende Person, die wie eine Leiche getragen wird. Hauptaugenmerk des Spiels bleibt: Gehe von A nach B, dann wieder von B nach A und dann bitte von A nach C und wieder zurück. Die Schleifchenbildung kann man sich mit Konstruktionen erleichtern, befriedigend ist das aber nicht.

Die Routenplanung wird nur leicht komplexer, wenn man dann auch noch auf Zeitregen achten muss. Dieser zerstört die Fracht und rein theoretisch auch den Körper. Außerdem wird das BB dann etwas zickig und will schnell beruhigt werden. Ganz zu schweigen von den GDs, die man erst nach einigen Spielstunden bezwingen kann.

Dann gibt es auch noch Bossgegner. Diese sind in der Regel große GDs, die mit Granaten und geballter Feuerkraft bezwungen werden müssen.

Es gibt auch noch andere Ereignisse, die ab Episode 4 starten, doch bis dahin sind schon einige Spielstunden den Bach heruntergelaufen (wie auch Fracht, wenn man nicht aufpasst) und es wäre schade, das vorweg zu nehmen.

Daher wäre nun noch einiges zum Director’s Cut zu sagen. Immerhin ist das nicht nur Death Stranding, wie es vor knapp 2 Jahren erschienen ist, es ist der Director’s Cut, der auf PS5 veröffentlicht wurde.

Umsetzung auf PS5 als Director’s Cut

Zum einen ist die neue Version für PS5 wirklich hübsch. Die Farben wirken satter, die Umgebung detailreicher und auch an der Fernsicht wurde gearbeitet. Dazu kommen noch überarbeitete Texturen und ein makelloses 4k-Bilderlebnis. Rein äußerlich ist Death Stranding eine Augenweide, wie es sich für Next Gen auch gehört.

Dazu kommt ein Klangerlebnis, wie es im Buche steht. Mit dem 3D-Headset hört man sämtliche Geräusche aus der richtigen Richtung kommen und das Einsetzen des Zeitregens ist eine Gänsehautgarantie. Die Musik, die teils eigens für das Spiel produziert wurde, ist ebenfalls passend und untermalt den Gang durch die Welt perfekt. Was allerdings etwas schade ist, ist, dass die Musik nicht immer im Hintergrund läuft. An einigen Stellen wird diese zum Untermalen einer Szene eingesetzt, manchmal wurde auch eine Konstruktion gebaut, die Musik für einige Sekunden abspielt, halt solange, bis man den Radius der Musikzone verlässt. Dann ist es wieder still.

Der DualSense ist perfekt eingesetzt. Man spürt jeden Schritt und wenn Sam mal in die ein oder andere Richtung wankt, kann man allein durch das Vibrieren den Controllers ausmachen, welche Taste man drücken muss, um ihn wieder in die richtige Bahn zu lenken. Dieser Balance-Akt ist wirklich fantastisch gelöst und nach einigen Spielstunden fühlt es sich so natürlich an, dass man gar nicht mehr daran denkt oder gar auf die Einblendungen auf dem Bildschirm achten muss.

Als weiteres Feature gibt es dann auch noch die schnellen Ladezeiten. Auf der PS4 musste man damals noch recht lange warten, doch diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Die Ladesequenzen sind so kurz, dass man sie sogar verpassen könnte.

Zum anderen gibt es aber auch noch neue Kernfeatures. Beispielsweise gibt es ein neues Gebiet, neue Missionen, neue Gegenstände und sogar einen Schießstand, an dem man üben kann, bevor man seine letzten Blutreserven verballert. All dies und noch einige Kleinigkeiten, die sowohl die Story weiter ausschmücken als auch das Gameplay erleichtern, sind in dem Director’s Cut enthalten und machen das gute Spiel zu einem noch besseren Spiel.

Death Stranding Director’s Cut kann man entweder für 49,99 Euro im Store kaufen oder aber auch seine PS4-Version für gerade einmal 10 Euro upgraden. Ein erneuter Spieldurchgang lohnt sich durch die neuen Features alle mal, auch wenn man das Ende dann schon kennt. Kennt man das Spiel noch nicht, ist auch dann der Director’s Cut in puncto Schwierigkeitsgrad, Spielerleichterung und Story zu empfehlen.

Ist das Spiel perfekt? Nein. Es gibt einige Episoden, die sich sehr doll ziehen. Dann muss man mal mehrere ins Netzwerk bringen, sehr viel Laufzeit über sich ergehen lassen und oft auch mal hin und wieder zurück rennen. Manchmal ist es sehr frustrierend, manchmal macht es aber auch sehr viel Spaß, wenn man einen Berg, der zuvor fast uneinnehmbar war, plötzlich durch eine Seilrutsche in wenigen Sekunden überwindet.

Die Story macht auf jeden Fall einiges auch wieder wett. Immerhin gibt es einige Twists, viele interessante Charaktere und einen guten Handlungsbogen.

Ja, manchmal wirkt das Gameplay etwas dünn. Manche Aufgabentypen werden zu oft hintereinander abverlangt, wie etwa das Austragen. Andere Passagen, in denen auch mal gekämpft werden muss, in denen es schwierige Gegner gibt oder auch mal das Köpfchen kurze Zeit angestrengt werden muss, gibt es aber auch.

Seiner Sammelwut kann man hier ebenfalls freien Lauf lassen, fremde Päckchen einsammeln oder auch Speicherchips, die dann wiederum etwas freischalten.

Man kann recht viel im Spiel machen, sodass man um die 30 Stunden Spielzeit nicht herumkommt. Selbst wenn man versucht, recht schnell nur die Story zu spielen, wird man um den ein oder anderen Nebenauftrag nicht herumkommen, denn durch diese erleichtert sich das Spielen erheblich. So erhält man Upgrades, neue Werkzeuge und Verbundenheit, die wiederum das Multiplayer-Erlebnis fördern, dass wirklich gelungen ist.

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Amazing
85100
Pros

Interessante Welt + Story

Multiplayer sehr gut umgesetzt

Perfekter 3D-Sound

DualSense-Funktionen verbessern das Spielerlebnis und die Immersion

Sehr schöne Spielwelt

Sehr kurze Ladezeiten

Guter Preis für mehr Inhalt

Cons

Repetitive Aufgaben (ausliefern, ins Netzwerk bringen)

Spielzeit etwas zu lang (Story und Gameplay wird künstlich gestreckt)

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