The First Beserker: Khazan (PC) im Test

Souls-Likes sind was Feines und um es schon einmal vorwegzunehmen, The First Beserker: Khazan ist eines der guten Souls-Likes, doch sollte man wirklich überall die Klassifizierung Souls-Like anwenden? Ganz ehrlich? Ich finde, dass Khazan einige Elemente eines Souls-Likes hat, aber an sich eher zum Genre Action-RPG gehört, aber dazu später mehr.

Kommen wir nun erst einmal zu The First Berserker: Khazan. Entwickelt wurde das Ganze von Neople, einem südkoreanischen Studio, das bekannt ist für Dungeon Fighter Online, einem 2D-Sidescroller-MMORPG aus dem Jahre 2005 und in diesem Universum spielt auch The First Berserker: Khazan.

Da wir jetzt schon mal bei der Verbindung zu einem anderen Game sind und es einiges an Story gibt, fangen wir mit dieser auch an!

Story

In The First Berserker: Khazan geht es, wie man vielleicht schon erwartet, um Khazan. Diesen spielt man auch. Khazan ist ein hoch angesehener General des Empyrean-Imperium, für das er immer wieder in den Krieg gezogen ist. Er und sein treuer Freund Ozma wurden jedoch als Verräter denunziert. Dabei wurde Ozma direkt hingerichtet und Khazan wurde fortgeschafft. Auf dem Weg zu seinem Gefängnis oder zu einer Mine, in der er arbeiten soll, wird er jedoch von einer unbekannten Entität angegriffen und hier beginnt auch das Spiel.

Viel mehr möchte ich auch erst mal nicht über den Plot des Spiels verraten, denn die Story ist schon wirklich sehr gut und es gibt viele interessante Wendungen und Offenbarungen. Das alles wird von den wirklich guten Synchronsprecher:innen unterstrichen und Khazan selber wird von Ben Starr gesprochen, den die meisten aus Final Fantasy XVI kennen sollten, sofern sie die englische Synchro genutzt haben. Wichtig ist dabei, dass Khazan zum Glück keine deutsche Synchronspur hat. Das hätte aber dieses Mal auch wirklich nicht gepasst, da die Sprecher:innen alle wirklich genial sind und einen verdammt guten Job machen.

Wie in der Einleitung erwähnt, ist Khazan keine Figur, die exklusiv für The First Berserker geschrieben wurde, vielmehr ist The First Beserker: Khazan eine alternative Realität des Dungeon & Fighter Universums, in der er als Verräter hingerichtet wurde und sein Name aus der Geschichte gelöscht wurde. Trotzdem kann man in Dungeon & Fighter immer wieder kleine Hinweise auf Khazan und natürlich auch etwas handfestere Hinweise in der Beserker-Klasse finden. Hier gibt es zum Beispiel den Skill „Khazan-Syndrom“. So ist The First Berserker: Khazan ein Spin-Off oder auch eine What If Story.

Aber auch wenn ihr, so wie ich, Dungeons & Fighter gar nicht kennt, ist die Story super spannend und man benötigt kein Vorwissen. Ich für meinen Teil mag die Story, die Sprecher:innen und generell die Lore sehr gerne. Ich habe das Gefühl, endlich mal wieder ein gutes Dark-Fantasy-RPG zu spielen, in dem vielleicht auch der ein oder andere Charakter nicht durch Plot-Armor geschützt wird.

Gameplay

Wie schon erwähnt, wird The First Beserker: Khazan von den meisten Reviews als Souls-Like klassifiziert. Das sehe ich allerdings ein bisschen anders, auch wenn es sich an einigen Mechaniken bedient. So sammelt ihr Lacrima (Erfahrungspunkte), diese verliert ihr bei eurem Ableben und müsst diese dann wieder einsammeln. Zusätzlich gibt es dieselbe Checkpoint-Mechanik wie in einem Souls-Game. Also wenn ihr sterbt, kommt ihr zurück an euer letztes aktiviertes „Bonfire“ und müsst von da aus wieder alle Gegner besiegen. Außerdem könnt ihr dort Leveln oder euer Phantom wechseln. Zusätzlich nutzt ihr leichte und schwere Schläge, die ihr je nach Waffe und gewählte Skills aufladen könnt, um Gegner zu besiegen. Eure Verteidigung besteht aus einem Block und wenn ihr präzise blockt, pariert ihr den Angriff und fügt dem Gegner viel Schaden an seiner Ausdauer zu. Wenn diese auf null sinkt, könnt ihr einen brutalen Angriff ausführen und so mehr Schaden zufügen. Das sind alles Mechaniken, die auch in einem Souls-Like zu finden sind. Definieren diese Mechaniken und der fordernde Schwierigkeitsgrad wirklich alles als Souls-Like? Nein, nicht wirklich, denn in The First Berserker steckt einfach noch so viel mehr als das.

Kommen wir erst einmal zu der Charakterentwicklung. Ihr benötigt Lacrima, wie in den Soulsteilen, um Level aufzusteigen und auf eure Stats zu verteilen. Das kenn man schon, allerdings definiert das nur die Stärke eure Angriffe oder aber wie viele Lebenspunkte ihr habt. Da es nur drei Waffenklassen gibt, individualisiert ihr euren Spielstil durch Fertigkeitspunkte, die ihr in bestimmte Skills setzt und die euren Spielstil definieren. So könnt ihr zum Beispiel bei dem Großschwert auf aufgeladene Angriffe setzten. Das beginnt damit, dass ihr einen Skill freischalten könnt, der euch euren ersten Angriff aufladen lässt. Das alleine ist aber ziemlich riskant, da ihr viel Schaden schlucken müsst. Also nehmt ihr noch Skills, die euch in der Verteidigung beim Aufladen von Angriffen unterstützen. Wie zum Beispiel, dass ihr weniger Schaden erleidet beim Aufladen von Angriffen oder aber, dass ihr beim Aufladen abwehren könnt. So individualisiert ihr immer weiter Khazans Move-Set.

Das Beste an den Fähigkeitspunkten ist allerdings, dass ihr sie unabhängig vom Level bekommt, sondern ihr bekommt diese für alle erfolgreichen Aktionen im Kampf. Also Parieren, Abwehren und Angreifen. So verliert ihr nichts.

Apropos Verlieren, ihr könnt euer angesammeltes Lacrima bei einem Bosskampf nicht verlieren, denn meistens ist ein Checkpoint in der Nähe und euer verlorenes Lacrima liegt vor der Arena. Zusätzlich bekommt ihr für jeden Versuch beim Boss eine bestimmte Menge Lacrima gutgeschrieben. Die Menge ist aber abhängig davon, wie viel Leben der Boss zum Zeitpunkt eures Todes noch hatte. Die Bosse sind zwar schwer, aber ihr könnt Lacrima verdienen, um eure Stats zu verbessern und euch einfach zu überleveln, wenn alle Stricke reißen.

Neben den Stats ist aber vor allem eure Ausrüstung sehr wichtig.

Denn ihr macht schon früh im Spiel Bekanntschaft mit Set-Items, die euch natürlich auch Set-Boni und später auch Skills geben. Neben den normalen Sets gibt es auch Boss-Sets, die ihr farmen oder aber ab einem späteren Zeitpunkt selber schmieden könnt, sofern ihr die Materialien habt. Also bekommt ihr Massen an Loot und müsst diesen aussortieren und verwerten. Das alles erinnert vor allem an NiOh und nicht Elden Ring oder Dark Souls. Was auch an NiOh erinnert ist ein System, das euch Phantome rufen lässt.

Ihr könnt rote und goldene Phantome rufen. Gegen die Roten müsst ihr Kämpfen und die Goldenen helfen euch in einem Bosskampf. Dabei müsst ihr rote Phantome besiegen, um Items zum Beschwören und Verbessern des goldenen Phantoms zu bekommen. Zusätzlich geben euch die roten Phantome auch zusätzlich immer Ausrüstung und Materialien zum Schmieden.

Kommen wir nun aber mal endlich zum Kampfsystem, denn hier wird sich stark an Sekiro orientiert, auch ein Game, das ich nicht unbedingt als Souls-Like beschreiben möchte, denn euer primäres Ziel sollte es nicht sein, den roten Lebensenergiebalken runterzuschlagen, sondern den Ausdauerbalken. Denn wenn dieser auf null sinkt, könnt ihr einen brutalen Angriff auslösen. Dieser gewährt euch je nach gewählten Skills auch einige Boni. Wichtig ist dabei aber die Ausrichtung. Denn ihr müsst euch entscheiden, ob ihr den brutalen Angriff von vorne oder hinten ausführt. Von hinten bekommt der Gegner mehr Schaden und ist für eine längere Zeit betäubt, sodass ihr noch ein Angriffsfenster nach dem brutalen Angriff habt, von vorne ist das nicht so und ihr macht weniger Schaden und der Gegner rappelt sich schneller wieder auf. Allerdings könnt ihr freischalten, dass ihr Lebensenergie für brutale Angriffe von vorne wiederbekommt. Ab diesem Zeitpunkt könnt ihr also abwägen, was ihr macht. Zusätzlich gibt es noch Skills, die die brutalen Angriffe zu Finisher machen, wenn bestimmte Konditionen erfüllt sind oder aber brutale Angriffe von oben zu lassen, wenn der Gegner euch noch nicht bemerkt hat. Wie gesagt, das Spiel lässt euch extrem viel Freiraum beim Entwickeln eures eigenen Spielstils.

Kommen wir aber noch einmal auf die Ausdauerbalken zurück, denn es gibt zwei verschiedene. Einmal den weißen, den ihr auch als Khazan habt, dieser regeneriert sich von selber nach einer kurzen Verzögerung. Diese gehören meist zu humanoiden Gegnern bis auf einige Ausnahmen, die ich nicht spoilern will. Zusätzlich gibt es noch den lila Ausdauerbalken, den die meisten Bestien und Monster haben. Dieser lädt sich nicht wieder voll, braucht aber meistens auch länger, um auf null zu sinken, da Bestien und Monster meistens stärker sind als Menschen.

Natürlich gibt es nicht nur normale Gegner, sondern auch Bosse und diese haben es in sich. Schon die ersten Tutorialbosse sind hart und das meine ich nicht nur so, denn ihr müsst sofort das komplette Move-Set anwenden, das ihr habt und den Gegner lesen lernen. Dabei gibt es eine Menge Angriffe, die ihr blocken. parieren oder ausweichen müsst. Dabei kommen nach und nach immer mal wieder neue Mechaniken und Statusanomalien hinzu.

Dabei hat jede Mission, egal ob Haupt- oder Bonusmission, einen Boss oder einen schwierigeren Kampf, den ihr überstehen müsst. Die Missionen bestehen auch meistens aus einem Gebiet, das ihr durchqueren müsst und in dem ihr maximal ein kleines Rätsel lösen oder ein paar Schalter bedienen müsst, nichts allzu Forderndes. Ihr bewegt euch also durch die Mission von Checkpoint zu Checkpoint oder ihr schaltet mal größere Abkürzungen frei, bis ihr vor dem Boss steht. Das hört sich zwar nicht super spannend an, aber macht erstaunlich viel Spaß.

Damit ihr den Spaß nicht verliert, gibt es zusätzlich noch einen einfachen Schwierigkeitsgrad, den ihr jederzeit im Menü aktiveren könnt, allerdings dürft ihr vom einfachen nicht mehr in den normalen Schwierigkeitsgrad zurück. Im einfachen Schwierigkeitsgrad bekommt ihr vor allem weniger Schaden und das sollte schon enorm helfen. Ein angekündigtest Update der Entwickler:innen verspricht aber, diesen Umstand in Zukunft zu lösen, sodass man von „einfach“ auch wieder auf „normal“ stellen kann.

Alles in allem ist das Gameplay von The First Beserker: Khazan super, auch wenn es hier und da kleine Schwierigkeitsgradspitzen gibt, die einen schnell mal etwas frustrieren können, aber seien wir ehrlich: Das sollte man bei dieser Art von Rollenspiel erwarten.

Technik

The First Berserker: Khazan unterstützt erst einmal alle Features auf PC, die man benötigt. Verschiedene Upscaler, Bildgenerierung, unbegrenzte Bilder pro Sekunde und alles an Auflösungen, was es gibt. Das Beste ist, dass es ein Performance-Wunder ist. Ich kann es mit 150+ FPS spielen, ohne DLSS oder Bildgenerierung, dabei sieht es dank dem Cellshading-Stil verdammt gut aus und hat geniale Effekte, damit die Angriffe super wuchtig aussehen.

Leider macht die Steurung einem oft einen Strich durch die Rechnung, denn diese wirkt überladen und ich habe das Gefühl, dass es teilweise eine starke Eingabeverzögerung gibt. Zusätzlich kann sich Khazan nach manchen Aktionen nicht bewegen oder nimmt keinen Input an. Das nervt gerade in einem Bosskampf, wo es schon einmal knapp werden kann. Ansonsten lässt sich Khazan aber wirklich gut spielen.

Auch der Sound und vor allem der Soundtrack ist einfach genial, gerade die Musik, die bei einigen Bosskämpfen läuft, ist einfach super!

Fazit

Ist The First Berserker: Khazan ein Spiel das jeder gespielt haben muss? Nein, denn der Schwierigkeitsgrad ist schon enorm, gerade wenn man es vielleicht mit Elden Ring vergleicht. Hinzu kommt dann noch eine etwas überladene Steuerung, sodass man sich erst einmal an das Spiel gewöhnen muss. Allerdings ist es ein verdammt gutes Action-Rollenspiel mit einer guten Itemization und vielen tollen Szenen, die von einer storyreichen Welt untermalt werden. Gerade die Skybox hat mich beim ersten Mal richtig abgeholt und das ist etwas, was ich glaube ich noch nie geschrieben habe. Also ja, The First Beserker: Khazan ist ein sehr gutes Game, allerdings nicht für jeden.

The First Beserker: Khazan könnt ihr bei Steam für 59,99 € in der Standard Edition oder für 69,99 € in der Deluxe Edition, die ein Rüstungsset, Soundtrack und Artbook beinhaltet, kaufen oder aber ihr spielt erst einmal die Demo!

Weitere Inhalte

Falls ihr eine kleine Hilfestellung benötigt, haben wir mit diesem Guide vielleicht genau das Richtige für euch: Einsteiger-Guide zu The First Berserker: Khazan

The First Berserker: Khazan wurde uns als Downloadcode zur Verfügung gestellt.

Story
9
Gameplay
8.5
Technik
8
Das hat mir Gefallen
Spannende und gut erzählte Dark-Fantasy-Story
Interessante Wendungen und Offenbarungen
Hochwertige englische Synchronisation (Ben Starr als Khazan)
Keine Vorkenntnisse zu Dungeon Fighter Online nötig
Spannendes Kampfsystem mit Parieren, Blocken und brutalen Angriffen
Viel Freiheit bei der Charakter- und Kampfstil-Anpassung
Faire Checkpoints und Belohnungssystem für Bosskämpfe
Set-Items und Phantome bringen Tiefe ins Spiel
Option für einfacheren Schwierigkeitsgrad verfügbar
Sehr gute Performance auf dem PC (150+ FPS ohne DLSS)
Schöner Cel-Shading-Artstyle mit tollen Effekten
Starker Soundtrack, besonders bei Bosskämpfen
Das war nicht so gut
Keine deutsche Synchronisation (kann für einige ein Nachteil sein)
Schwierigkeitsgrad-Spitzen können frustrieren
Steuerung wirkt überladen und teilweise träge
Steuerung könnte flüssiger und präziser sein
Eingabe-Verzögerung und Bewegungsprobleme nach bestimmten Aktionen
8.5