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The Quarry (PC) im Test

The Quarry (PC) im Test

The Quarry stammt aus den fähigen Händen der Entwickler*innen von Until Dawn. Im Gegensatz zu Until Dawn erscheint dieser Horror-Kracher allerdings nicht nur exklusiv für die PlayStation, auch PC-Spieler*innen können sich über einen sehr interessanten Horror-Marathon freuen.

The Quarry ist ein modernes Horror-Spiel, das sich moderner Grafik bedient und gleichzeitig aber auch die alten Gruselgeschichten rausholt. Fans von Evil Dead oder den üblichen Summer-Camp-Verdächtigen werden sich in diesem Horrorspiel pudelwohl fühlen – sofern man sich in einem Horrorspiel wohlfühlen kann.

Summer Camp+

Wie eingangs erwähnt handelt die Story von The Quarry von einem Sommer Camp. Es geht aber nicht um die Kleinen, sondern um die etwas älteren Teenager, welche die Kids betreut haben. Sobald diese verabschiedet wurden und auch die nicht immer netten Betreuer*innen den Weg nach Hause antreten möchten, beginnt der eigentliche Horror. Da sich das Spiel hauptsächlich von seiner Story ernährt, möchte ich hier nicht allzu viel vorweg nehmen. Es ist eine gute Horrorstory, die Wendungen mit sich bringt und einen bis zum Schluss zum Mitfiebern lässt. Immerhin stellt sich permanent die Frage: Wer stirbt als Nächstes und wie kann ich das verhindern? Auch der schmale Grat zwischen Mystery, Horror und Realität machen es umso spannender.

Das Ganze wird mit sehr interessanten Charakteren untermauert, die zwar anfänglich aus dem Baukasten eines Sommer-Camp-Horrorstreifens stammen können, schnell aber sehr viel mehr Tiefe aufweisen, als man zu Beginn denkt. Es geht natürlich um laufende, abgeschlossene und unentschlossene Liebschaften, die mal minder und mal besser verdaut wurden. Neben der stetigen Angst ums Überleben, wird den 9 spielbaren Charakteren also auch noch mehr zur Last gelegt: Selbst Zukunftsängste und mehr kommen mit ins Spiel.

Bevor man jetzt Angst hat, dass es sich hierbei, wie bei vielen anderen Vertretern des Genres um ein reines Schlachthaus handelt und zu einer Shooter-Parodie heranwächst, der sei an dieser Stelle beruhigt. Das Spiel setzt den Fokus auf die Story und es wird genau an den richtigen Stellen Horror eingesetzt. Das können Geräusche sein, kurze Einblicke in das, was geschehen könnte oder auch nur ein kurzes Aufflackern eines Feindes. Natürlich darf Blut und ein bisschen Gore nicht fehlen, doch wird es nicht übertrieben dargestellt, sondern bleibt authentisch.

Gameplay kehrt zu den soliden Wurzeln Until Dawns zurück

Das Gameplay hat sich im Vergleich zu Until Dawn kaum geändert. Wir können die Charaktere frei steuern, die Umgebung absuchen, Lesematerial finden, Hinweise und Tipps für das weitere Voranschreiten und sehr, sehr oft beschäftigen wir uns mit Dialogen und Konsequenzen. Fast jede Dialogzeile, fast jede Entscheidung hat eine direkte Auswirkung auf das weitere Spielgeschehen. Es gibt sogar Entscheidungen, die einen viel später noch heimsuchen werden. Durch diese Konsequenzen-Hülle-Und-Fülle ist ein Spieldurchgang in der Regel nicht genug. Man möchte erfahren, wie es gewesen wäre, wenn man doch die andere Entscheidung getroffen hätte. Hätte dies alles besser gemacht? Hätten die Quick-Time-Sequenzen, wenn man sie denn richtig getroffen hätte, einen Unterschied gemacht? Die Frage kann man fast immer mit “ja” beantworten.

Wobei an dieser Stelle noch gesagt werden sollte, dass die Quick-Time-Sequenzen sehr einfach anfangen und später etwas anziehen, dabei aber nie so schwierig werden, dass man als erfahrene/r Spieler*in Probleme bekommen könnte.

Bequemer Couch-Koop mit ungemütlichen Entscheidungen

Ist einem das Ganze dann doch zu gruselig und ist man einfach mal gerne den Entscheidungen anderer ausgesetzt, kann man sich auch dazu entscheiden, den Couch-Koop zu spielen. Dann darf sich je eine Person eine Anzahl an Charakteren aussuchen. Das Spiel verläuft dann etwas wie ein Film und zwischendurch wechselt man den Controller, sodass man der Gnade des/der Mitspieler*in ausgeliefert ist. “Tu jetzt ja nichts, was meinem Charakter schaden könnte” – ist da oft die Prämisse, wobei man mehr Angst davor hat, als man haben müsste. Doch allein der Gedanke macht schon seinen Reiz aus. Zurückspulen mal hin oder her.

Das Gameplay kann man also als seicht bezeichnen, was vor allem für all jene Spieler*innen etwas ist, die vielleicht nicht so viel spielen. Paare, Freund*innen und Co. können in diesem Spiel mit unterschiedlichen Erfahrungswerten gleichwertig spielen. Die einzelnen Aktionen sorgen für eine angenehme Kommunikation, sodass auch nicht jeder nur für sich spielt. So seltsam es sich auch anhört: Das Horrorspiel The Quarry ist wirklich das perfekte Spiel für Koop. Im Zuge der nächsten Monate soll auch noch ein Multiplayer dazu kommen, sodass man Online zusammen spielen kann.

Das Gameplay ist also auf seine Art und Weise fantastisch für Koop ausgelegt und macht ehrlich gesagt, auch alleine sehr viel Spaß. Die Story ist spielenswert und hat auch genügend Seitenhiebe auf andere Klassiker parat. Dazu kommt nun noch eine sehr schöne Grafik.

Schicke Grafik fordert seinen Tribut

Until Dawn sah bereits mehr als gut und authentisch aus, doch legt The Quarry noch einen drauf. Oftmals wurden die Zähne in Until Dawn kritisiert, weil diese noch nicht ganz natürlich aussahen. Mit The Quarry wurde dieser winzig kleine Mangel behoben. Es sieht einfach fantastisch aus. Gut, es hat jetzt keine Open World, sondern eher Open Spaces, aber diese sind sehr gut und sehr authentisch gestaltet. Außerdem frustriert es durch ihre überschaubare Größe nicht allzu sehr, wenn man alle sammelbaren Items suchen möchte.

The Quarry ist keine Kurzgeschichte, wie man es aus House of Ashes und der kompletten The Dark Pictures Anthology kennt. Im Gegenteil: Es ist ein vollwertiges Spiel, das mehrere Stunden bei Laune hält und sogar noch über das erste Ende hinaus. Sämtliche Referenzen auf Charaktere, Situationen, usw. fühlen sich nicht ideenlos an, vielmehr zeigen sie, dass sich mit den Themen beschäftigt wurde. Auch dass das Spiel an manchen Stellen selbst reflektiert, beispielsweise, wenn jemand etwas doch unpassendes sagt oder eine Situation beispielsweise mit Evil Dead verglichen wird, zeigt es umso mehr, dass es sich seinem Thema sicher ist. Immerhin ist es zwar ein Horrorspiel, aber das heißt nicht, dass manche Situationen nicht komisch sein dürfen. Es sind genau diese kleinen Auflockerungsmomente, welche die gruseligen Stellen noch gruseliger machen – fast ohne Jump Scare.

Einen Kritikpunkt gibt es allerdings: Eine so schicke Grafik fordert seinen Tribut. Das Spiel soll auf einer RTX 2060 gut spielbar sein. “Gut” war in der Testversion jetzt leider ein etwas ausgedehnter Begriff. Es war auf hohen Einstellungen mit 30 FPS prima spielbar. Es sah wunderbar aus und ist auch nicht unter die 30 gegangen. Anders hat es sich – in der Testversion! Updates kommen! – mit der Framerate verhalten. Diese ist sehr unstetig, wenn auch nicht wirklich schlecht.

Auf einer potenterer Hardware, wie etwa einer RTX 3080 Ti, sieht die Framerate schon ganz anders aus. Auch hier merkt man, dass er an manchen Stellen, eben wegen der umwerfenden Grafik, mehr schuften muss, aber dennoch gilt hier die Regel: Je besser der Rechner, desto flüssiger das Erlebnis. Doch selbst wenn man nicht die gestochen scharfen 60FPS+ erreicht, wird man dieses kaum spüren und sich trotzdem auf ein sehr gutes Spiel einlassen können. Zur Not gibt es ja auch noch die PlayStation-Version, auf die man zurückgreifen kann. Die ist dann bestimmt sogar noch angenehmer im Couch-Koop zu genießen.

Für diesen Test wurde uns ein Muster zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich für die Möglichkeit, es vorab testen zu dürfen.

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Masterpiece
95100
Pros

Mystery-Elemente

Sehr gute Spannungskurve

Viele, gut geschriebene Charaktere

Spannend und gruselig bis zum Schluss

Umwerfende Grafik

Sehr guter Koop-Modus

Sehr zugänglich auch für neue Spieler*innen

Cons

Framerate nicht ganz stabil

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