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Encased (PC) im Test

Encased (PC) im Test

Sci-Fi-Rollenspiele gibt es gar nicht mehr so oft. Seit Mass Effect sind diese, vor allem dann, wenn sie sich auch Rollenspiel schimpfen, fast gar nicht mehr vorhanden. Encased möchte eine Ausnahme machen und vereint das beliebte Genre mit beliebten Gameplay-Mechaniken.

Encased spielt in den 1970er Jahren. Authentisch will es aber nicht sein, denn es taucht plötzlich eine Kuppel auf. Klar, das Erste, was einem durch den Kopf geht, ist “Under the Dome” von Stephen King. Die Ähnlichkeit schwindet aber schnell nach Betreten der Kuppel.

Diese Kuppel könnte einen riesigen technologischen Vorsprung bieten – so glaubt man zumindest und schickt Leute in diese Kuppel, um Artefakte und Alientechnologie zu bergen. Nur leider gibt es da ein kleines Problem: Jeder, der die Kuppel betritt, bleibt auch in der Kuppel. Es gibt keinen Weg raus.

Und so werden Menschen eben mit Geld gelockt, mit dem Versprechen, neue Technologien erforschen zu können oder auch mit Straffreiheit. Neben Wissenschaftlern, Militäreinheiten und Management-Leuten gibt es also auch noch Sträflinge, die in die Kuppel geschickt werden.

Wer wollt ihr sein?

Bevor das Spiel überhaupt startet, könnt ihr euch einen Charakter aussuchen. Und das ist gar nicht so einfach! Es gibt so viele Charaktere, die alle einen anderen Hintergrund, andere Traits und Fähigkeiten haben. Jeder scheint für sich eine gute Wahl zu sein, oder auch nicht?

Um ehrlich zu sein, habe ich auch mehr als einen Anlauf benötigt, um mir einen Charakter auszusuchen, der mir Spaß gemacht hat. Immer wieder habe ich mich gefragt, ob eine andere Fähigkeit doch cooler gewesen wäre. Ob ein anderer Hintergrund den Dialog anders beeinflusst hätte. Ob ich das Spiel nun wirklich 5 Mal durchspielen möchte, einfach nur um alles gesehen zu haben.

Doch genug davon. Man sucht sich also einen Hintergrund aus: Wissenschaft, Technik, Sicherheit, Management oder Sträfling, schaut sich die Traits an, beispielsweise Neanderthaler, und die Fähigkeiten, wie etwa das Schießen mit Psi-Fähigkeiten. Wie der Charakter ausschaut, welches Geschlecht er hat und ober von Mami geliebt wurde, ist nur nebensächlich. Manche Texte sind aber so humorvoll geschrieben, dass es sich lohnt, alle genau zu betrachten.

Habt ihr euch für einen Charakter entschieden (gut 1 Std. Spielzeit), geht es aber wirklich ins Spiel.

Jeder fängt mal klein an

Es folgt ein kurzes, aber gut gemachtes Tutorial. Es werden die Grundlagen erklärt, wie beispielsweise, dass man immer alle NPCs ansprechen soll, wie man kämpft und was man bei Anomalien tun soll.

Und das ist auch schon das ganze Gameplay des Spiels. Hört sich banal an, wird aber ganz schnell zu etwas Besonderem.

Sobald man das Tutorial-Areal verlassen hat, beginnt das Spiel auch schon damit, sein eigenes Ding durchzuziehen.

Spiele, etwa Wasteland und auch andere Titel, die isometrisch und rundenbasiert sind, geben einem von Anfang an Kameraden an die Hand. Nicht so in diesem Spiel. Wir reisen zwar nicht allein, aber die Heulsuse von Begleiterin bleibt lieber im Auto sitzen. Immerhin wurde man beschossen, fast umgebracht und ist immer noch nicht in Sicherheit. Heulsuse eben.

Ihr aber, ja ihr, seid anders. Ihr geht der Sache auf den Grund, begebt euch in ein Forschungsgebäude, stoßt auf eine Menge Leichen und Geheimnisse. Irgendwann findet ihr mehr Ausrüstung und haltet auch mal mehr als einen Schuss aus. Irgendwann seid ihr erfahrener, habt neue Tricks auf Lager und könnt euch besser wehren.

Irgendwann, aber sicherlich nicht am Anfang, wenn ihr in das gruselige Gebäude geht und versucht, dabei nicht von Geschützen niedergemäht zu werden.

Sobald ihr dem ersten Rätsel auf die Spur kommt, geht auch schon die Welt in der Kuppel unter. Und dann? Das müsst ihr aus Spoiler-Vermeidungsgründen leider selbst herausfinden.

Ihr dürft entscheiden – endlich!

So viel zur Story, doch schauen wir uns mal die Dialoge an.

Diese sind gut geschrieben und bieten sehr viele Möglichkeiten. In einer Quest wird beispielsweise ein kleines Snack-Restaurant überfallen. Die Banditen wollen Benzin, um mit ihrem geklauten Auto weiterzukommen. Ihr trefft im Vorbeigehen auf diese Banditen. Ihr könnte euch den Banditen mehr oder weniger kurzzeitig anschließen und den Snack-Besitzer umnieten, ihr könnt die Banditen töten, ihr könnt euch mit den Snack-Laden-Besitzer zusammen tun und ein Geschütz aktivieren, um die Banditen loszuwerden… oder ihr gebt ihnen einfach das Benzin, dass sie haben wollen. All diese Möglichkeiten sind aber auch an Bedingungen verknüpft. Ist euer Technik-Level zu niedrig, könnt ihr keinen Generator reparieren. Aber mal ernsthaft: Wie viele Menschen können Real-Life mal eben einen Generator reparieren. Dass man dafür technisches Know-How braucht, ist ausnahmsweise mal wirklich authentisch.

Ihr habt also all diese Möglichkeiten und müsst abwegen, welche für euch aufgrund eurer Fähigkeiten sinnvoll sind. Vielleicht stellt ihr euch der Bande auch lieber kompromisslos, da ihr “Schwere Waffen” gelevelt habt und alles umnieten könnt, was bei 3 nicht auf einem imaginären Baum ist? Das liegt ganz bei euch. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen ist das hier nicht nur ein Werbespruch, wenn man von einer Vielzahl von Entscheidungen spricht. Bis zum Ende hin wird es knallhart durchgezogen.

Dadurch, dass man aber jederzeit speichern kann, kann man verschiedene Wege ausprobieren oder, wenn mal ein Weg nicht geklappt hat, einen neuen gehen.

Roter Faden+

Ihr schreibt hier eure eigene Geschichte. Und dass, obwohl es einen roten Faden gibt. Ja, es gibt Haupt- und Nebenquests, aber wie ihr sie bestreitet, liegt ganz bei euch.

Dazu kommt noch, dass das Spiel nicht nur mit dem Setting spielt. Mal ist man draußen in einer trotslosen Wüste, mal ist man unterhalb einer Tankstelle und sieht einen mysteriösen Baum, nur um dann wieder in einer Forschungsanlage festzustecken, die Dead Space alle Ehre macht.

Verstärkt wird die Immersion aber auch im Gameplay. Denn was könnte gruseliger sein, als alleine in einer Forschungssation voranzukommen, anstatt in einer Gruppe voller Kämpfer?

Allzu viel vorgekaut wird einem die Story auch nicht. Was beispielsweise in dieser Forschungsstation passiert ist, erfahren wir durch Gespräche mit durchgedrehten NPCs, durch Terminalnachrichten und durch die Umgebung selbst. Hier hat jemand Environmental Storytelling nicht nur verstanden, sondern auch umgesetzt.

K(r)ampfgeschichten

Die Kämpfe sind allerdings nicht ganz so gut gelungen. Je nachdem, für welche Fähigkeiten man sich entschieden hat, ist es ein rundenbasierter Shooter, ein rundenbasierter Shooter oder ein rundenbasierter Shooter, zu dem nur ihr mit einem Messer gekommen seid.

Das ist aber nicht weiter schlimm. Psi-Fähigkeiten können aufgewertet werden und zu interessanteren Kämpfen führen. Shooter-Freunde werden sich mit einer Vielzahl von Fernkampfwaffen und -Fähigkeiten zu helfen wissen und hat man sich für das Fallenstellen entschieden, muss man vorab eben etwas Vorarbeit leisten. Je weiter man im Spiel vorankommt, desto mehr Impact hat das Leveln. Man erwirbt neue Fähigkeiten und setzt diese auch ein, wobei man stark auf die Erschöpfung achten sollte. Tot umfallen, nachdem man alle Gegner besiegt hat, ist echt peinlich.

Fazit

Insgesamt ist Encased ein Rundum-Paket. Die Story ist fantastisch und sogar größtenteils vertont. Die Entscheidungen machen Spaß und geben dem Spiel eine ganz besondere Tiefe. Die Kämpfe sind okay. Sie hauen einen nicht aus den Socken, werden mit der Zeit aber viel besser. Der Preis ist unschlagbar für momentan noch 19,99 Euro bei Steam.

Fans von isometrischen Spielen, wie auch Wasteland 3 oder Disco Elysium, die auf ein Sci-Fi-Rollenspiel gewartet haben, werden hier fündig.

0
Masterpiece
90100
Pros

Sehr gut geschriebene Dialoge

Deutsche Texte

Spannende Story

Sehr interessante und einladende Welt/Umgebung

Cons

Die Kämpfe sind etwas eintönig und je nach Klasse zu schwer/zu einfach

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