Now Reading
Chivalry 2 (Xbox Series X) im Test

Chivalry 2 (Xbox Series X) im Test

Im Jahr 2012 veröffentlichten die Entwickler von Torn Banner Studios das Spiel Chivalry. Damals nur auf PC, doch dort konnte sich das Spiel eine treue Spielerschaft erarbeiten. 9 Jahre später kommt nun der zweite Teil. Dieses Mal auch auf Konsolen und mit Crossplay.

Die Schlachten in Chivlary 2 sind eine Mischung aus Episch, Chaos und Blödsinn… Letzteres im positiven Sinne gemeint.

Was ist Chivalry 2 und was macht man da so?

Chivalry 2 ist ein First-Person- ( wenn euch die Ego Perspektive nicht zusagt, könnt ihr auch immer in die Third Person Ansicht wechseln) Mittelalter-Brawler. Man schnappt sich ein Schwert, eine Axt, einen Bogen oder was auch immer und zieht in die Schlacht gegen andere Spieler*innen. Chivalry 2 ist ein reines Multiplayerspiel und bietet keine Inhalte für Solist*innen. Im Kern des Spiels stehen sich 2 Seiten gegenüber: Mason(Rot) und Agatha(Blau). Beide Seiten bekämpften sich schon im Vorgänger und es gibt auch eine kleine Lore um das Geschehen in Chivalry. Das ist zwar ein cooler Bonus, ist aber ist nicht wirklich wichtig. Denn im Kern ist es egal, warum ihr macht, was ihr macht. Bevor ihr euch aber in die Schlachten stürzt, solltet ihr das fantastische Tutorial anschauen. Zum einen wird euch hier alles erklärt und gezeigt und zum anderen ist es auch recht lustig aufgemacht. Natürlich könnt ihr auch sofort ins Spiel springen, dann wird euch aber einiges entgehen. Chivalry 2 hat mit Abstand das beste und unterhaltsamste Tutorial der letzten Jahre. Ihr lernt, wie man blockt, die verschiedenen Angriffe ausführt, wie ihr euch heilt, usw.
Wenn ihr das Tutorial gespielt habt, könnt ihr euch schon ins Getümmel stürzen. Euch stehen 3 Möglichkeiten zur Verfügung: 20vs20, 32vs32 und ein klassischer Death Match Modus, wo jeder gegen jeden ran muss. Wenn ihr euch jetzt fragt, wo der klassische Team Death Match zu finden ist, der ist in der Match Rotation bei 20vs20 und 32vs32 dabei. Gekämpft wird auf 8 Karten. 5 davon sind große Maps, wo es die angreifende Seite und eine verteidigende Seite gibt. Die Angreifer*innen müssen Aufgaben erledigen, um auf der Map voranzukommen. Und das immer in einem bestimmten Zeitrahmen. Wenn die Angreifer*innen das schaffen, wird wieder Zeit addiert und es geht weiter. Die Verteidiger*innen müssen dies (natürlich) verhindern. Wenn die Angreifer*innen es nicht in der vorgegeben Zeit schaffen, haben diese verloren. Die anderen 3 und auch kleineren Maps sind Team Death Match Maps.

Vor den Runden gibt es immer ein kleines Intro, in dem ihr auf die Schlacht eingestimmt werdet.

Stechen, hacken und Hühner werfen…

Kommen wir nun zum Kern des Spiels. Wie spielt sich Chivalry 2? Kleiner Spoiler: Sehr sehr gut. Erst mal wählt ihr euch eine der 4 Klassen aus. Das sind zum einen Bogenschützen, Vorhut, Fußsoldat und Ritter. Alle Klassen haben unterschiedliche Waffen, Rüstungen und Spezialfähigkeiten. Der Bogenschütze z.B. schießt natürlich mit seinem Bogen oder einer Armbrust und kann z.B. als Spezialfähigkeit einen Feuerkorb aufstellen, in dem ihr eure Pfeile anzünden könnt. Der Ritter wiederum hat eine schwere Rüstung und ein Langschwert (oder Axt) dabei und spielt sich etwas “träger” als die anderen Klassen, hält aber auch etwas mehr aus. Und so spielen sich alle Klassen unterschiedlich und es macht einen Riesenspaß immer wieder diese zu wechseln. Vor allem deshalb, weil jede Klasse nochmals Unterklassen hat. Ihr levelt nämlich alle Klassen (abseits von eurem generellen Weltrang) einzeln. Jede Klasse hat 7 Level und ihr schaltet mit dem Erreichen von Level 4 und Level 7 eine weitere Unterklasse frei. Diese haben dann wieder andere Waffen und Perks. Ihr merkt also, Chivalry 2 sollte für jeden etwas bieten. Allerdings muss ich sagen, dass sich keine Klasse als “Meta” anfühlt. Das Balancing ist durchaus gelungen, was für ein Multiplayer-Titel (vor allem zum Launch) nicht selbstverständlich ist. Ihr müsst als Fußsoldat z.B. keine Angst vor einem Ritter haben, weil dieser mächtig gepanzert ist. Denn ihr seid einfach etwas schneller als eben dieser Ritter und das könnt/müsst ihr nutzen. Auch müsst ihr keine Sorge haben, dass es zu viele Schützen auf dem Schlachtfeld gibt, da diese Klasse auf eine bestimmte Anzahl begrenzt ist. Wie gesagt, das Balancing fühlt sich super an. Ihr verdient im Laufe des Spiels auch Gold, dass ihr für kosmetische Inhalte ausgeben könnt. Diese In-Game Währung könnt ihr auch für Echtgeld erwerben (nur um es mal erwähnt zu haben), was aber nicht notwendig ist. Wichtig ist hier, dass es sich hierbei nur um kosmetische Inhalte handelt und nicht um Pay2Win Mechaniken. Die Frage, die sich aber stellt, ist wie lange das Level-System für Motivation sorgt. Denn die einzelnen Klassen sind recht schnell auf Max-Level und ob die kosmetischen Inhalte wirklich Anreiz genug sind, immer weiterzuspielen, ist doch recht fragwürdig.

In Chivlary 2 habt ihr die Wahl aus 4 Klassen. Alle 4 spielen sich unterschiedlich und haben verschiedene Fähigkeiten.

Wenn ihr euch dann für eine Klasse entschieden habt (ihr könnt diese auch immer In-Game wechseln) kann es auch schon losgehen. Vor jeder Runde gibt es ein kleines Intro, das euch das Szenario vorstellt und euch einstimmen sollen. Ihr kämpft euch dann durch die Reihen der Gegner. Ihr werdet 1vs1 Szenarien erleben und müsst dabei immer auf euren Rücken achten. Ja, Chivalry 2 ist das pure Chaos. Aber ein spaßiges und positives Chaos. Im einen Moment haut ihr eurem Gegner noch die Rübe weg und plötzlich steht ihr 3 weiteren Gegnern gegenüber. Ihr blockt die Schläge und schlagt zurück, immer in der Hoffnung, einen weiteren Gegner mit in den Tod zu reißen. Denn mal ehrlich, ihr werdet ein 3vs1 nicht überleben, aber ihr könnt das Beste daraus machen. Und das macht Chivalry 2 zu einem sehr guten Spiel. Denn egal, wie ihr sterbt oder auch warum, es fühlt sich nur äußerst selten frustrierend an. Die Kämpfe sind wuchtig, brutal und oft auch taktisch. Natürlich könnt ihr über die Map rennen und Gegner von hinten abstechen. Natürlich könnt ihr eure Kollegen aus prekären Situationen retten nur um dann selbst in einer zu landen. Das Spiel ist schnell und dynamisch und keine Situation ähnelt der anderen. Teamplay ist wichtig, aber nicht alles. Natürlich müssen die Teams zusammenarbeiten, um z.B. Punkte zu verteidigen, aber auch als einzelne Seele kann man einen großen Impact auf das Spielgeschehen haben. Diese Art von Varianz macht Chivalry 2 zu einem Spiel, das aus der Masse heraussticht.

Hier haben sich ein paar Gegner mit dem Falschen angelegt…hehe

Im Kampf selbst habt ihr 3 Angriffe: Stechen, Schwingen und die Waffe von oben nach unten Schlagen. Dann kommt noch Blocken hinzu und die Möglichkeit, Finten zu schlagen. Ihr könnt quasi einen Schlag antäuschen und diesen in einen Block umwandeln. Dann könnt ihr einen großen Schritt zur Seite oder nach hinten machen, um den gegnerischen Angriffen auszuweichen oder eben um so einen gezielten Schlag auszuführen, der vom Gegner nicht geblockt werden kann. Das Kämpfen in Chivalry 2 ist eine absolute Freude. Deshalb möchte ich hier nochmals das Tutorial empfehlen. Spielt es und lernt das Spiel. Es ist sehr einfach erlernt und absolut einsteigerfreundlich. Aber um besser zu werden, müsst ihr verstehen, was ihr wann zu machen habt. Wenn ein Gegner aber z.B. auch mal flüchten will, könnt ihr ihm eure Waffe hinterher werfen. Aber keine Sorge, ihr könnt herumliegende Waffen auch einfach wieder aufheben und steht dann nicht ohne Waffe da. Und wenn mal keine Waffe zur Hand ist, nehmt einfach einen Kerzenständer, werft mit Steinen oder hebt den Kopf eines gefallen Kriegers auf und werft diesen auf euer Gegenüber (ja, das geht!). Und wenn alles nichts mehr hilft, dann lasst einen mächtigen Kampfschrei raus, jammert ein bisschen oder tanzt, bis ihr aus eurer aussichtslosen Situation erlöst werdet (also getötet werdet). Der ein oder andere denkt jetzt bestimmt, dass das schon ziemlich lächerlich klingt. Und das ist es auch. Das Ganze passt aber perfekt ins Bild und lockert das blutige und brutale Szenario auf. Wenn ihr im Kampf einen Arm verliert und euer Char meint, dass das ja nur ein Kratzer sei, dann muss man schon mal gut lachen. Oder wenn ihr von einem geworfenen Huhn getötet werdet, kann man nicht wirklich sauer sein, weil es einfach eine surreale Situation ist, bei der man sich ärgern kann, aber eher schmunzeln wird. Ich könnte hier noch etliche andere Situationen aufzählen, die mich zum Lachen gebracht haben, aber das muss man einfach selbst erlebt haben.

Am Ende der Runde bekommt ihr immer die Info, was ihr freigespielt bzw. gelevelt habt.

Schön… blutig!

Technisch ist Chivalry 2 super. Ich spiele das Spiel seit Release und hatte noch nie wirklich Server-Probleme. Das Matchmaking geht dank Crossplay super schnell. Zum Crossplay sei aber gesagt, dass ihr aktuell noch keine Party eröffnen könnt, wenn ihr z.B. auf der Xbox und euer/eure Freund/Freundin auf PC oder Playstation spielt. Dies wird im Laufe der Wochen laut der Entwickler*innen aber hinzugefügt. Schade ist es aber trotzdem, dass dies nicht von Release an möglich ist. Vor allem wenn man mit Crossplay wirbt. Auch grafisch muss sich das Spiel nicht hinter anderen Spielen verstecken. Im Gegenteil! Chivalry 2 ist ein sehr schickes und hübsches Spiel. Die Animationen sehen super aus, die Maps sind hübsch und es läuft absolut flüssig. Auf der Series X hatte ich nie irgendwelche Frame Drops oder Ähnliches zu verzeichnen. Absolut vorbildlich, vor allem wenn man bedenkt, was da manchmal auf dem Bildschirm alles los ist. Auch der Sound weiß zu überzeugen. Die Schreie der Figuren, das Klirren der Schwerter oder das Knacken der Holzschilde, wenn eine Axt einschlägt, sorgt für absolute Atmosphäre. Chivalry 2 muss sich in keinem dieser Punkte hinter einer AAA Produktion verstecken und macht in Sachen Server und Gameperformance so manchem “größeren” Titel etwas vor.

Chivalry 2 sieht super aus, läuft flüssig und der Sound ist auch gelungen!

Fazit

Chivalry 2 macht in allen Belangen eine wahnsinnig gute Figur. Verschiedene Klassen mit Unterklassen, ein sehr gutes und einsteigerfreundliches Kampfsystem, eine sehr gute Grafik und ein sehr gutes Sounddesign lassen das Spiel glänzen. Und das Ganze nicht mal zum Vollpreis! Das Spiel macht einfach Spaß. Allerdings ärgert die fehlende Party Funktion, wenn es um verschiedene Systeme geht und auch die Langzeitmotivation ist nicht garantiert, wenn nur kosmetische Inhalte diese gewährleisten soll. Und trotzdem kann ich allen Spieler*innen, die gerne Multiplayer-Titel spielen, Chivalry 2 nur empfehlen.

0
Sehr gut
89100
Pro

Sehr gutes und spaßiges Tutorial

Sehr gutes Kampfsystem für Einsteiger und Profis

Klasse Technik

Wuchtige Kämpfe mit einer Prise Humor

Kontra

Crossplay Partys (noch) nicht möglich

Langzeitmotivation nicht sicher

Scroll To Top